Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 11. Februar 2011. Von MIRIAM SULAIMAN. "Dschungel an Schulangeboten lässt verzweifeln"

15.000 Schüler müssen eine Entscheidung über ihre Laufbahn fällen. Druck kann Chancen zerstören

Innsbruck (OTS) - Das PISA-Debakel hat eine Diskussion über die Bildungsstruktur ausgelöst. Das war zu erwarten - und überfällig. Die Auswirkungen werden jene Schüler, die heute die Zeugnisse in Händen halten, kaum spüren. 15.000 Schüler der 4. und 8. Schulstufe müssen innerhalb der kommenden drei Wochen ihren künftigen Ausbildungsweg entscheiden.
Den Andrang der Volksschüler Richtung Gymnasium konnte die Neue Mittelschule bisher nicht stoppen. So wurden im Vorjahr in Innsbruck trotz der flächendeckenden Einführung der Mittelschule die Gymnasien gestürmt. Kein Wunder: Glauben doch Eltern, ihren Sprösslingen so einen sichereren Bildungsweg zu ermöglichen. So manches Kind würde vermutlich aber in den neuen Schulformen mit zwei Lehrern in der Klasse besser gefördert als im Gymnasium. Es könnte bessere Noten erzielen und hätte sogar bessere Chancen, in seiner Wunschschule aufgenommen zu werden.
Genau vor diesem Problem stehen die Schüler der achten Schulstufe. Sie müssen sich überlegen, ob sie eine Lehre oder eine weiterführende Schule wie HAK oder HTL anstreben. Die Meldungen, dass viele keinen Platz in ihrer Wunschschule erhalten, tragen das Ihre zur Stresssituation bei. Im Vorjahr erhielten 300 keinen Platz.
Mit dem Ausbau der Berufsorientierung setzt die Politik einen Schritt. Während die einen ihre Kinder gleich in die Arbeitswelt einführen wollen, steckt bei anderen Eltern Ehrgeiz hinter Entscheidungen, der den Kindern nur schadet. Dabei zählt nicht, welcher Weg von klein auf angestrebt wird. Rund 70 % der Maturanten kommen aus den Hauptschulen. Entscheidend sind die Grundkompetenzen. Sind diese vorhanden, steht später jeder Bildungsweg offen. Diese müssen in der Kindheit vermittelt werden. Kinder gehören gefördert -auch speziell von den Eltern.

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