Die gestörten Wohlstandskreise (von Michaela Geistler-Quendler)

Ausgabe 10. Feb. 2011

Klagenfurt (OTS) - Es ist schon erstaunlich, mit welcher Aggressivität gegen sogenanntes "aggressives Betteln" vorgegangen wird. In ganz Österreich mehren sich die Rufe nach einem generellen Verbot dessen, was eigentlich als Grundrecht jedes Einzelnen in diesem Staat angesehen werden sollte. Das Recht, zum letzten Mittel zu greifen - auf der Straße um Geld zu bitten. Was wird denn schon als aggressiv empfunden? Dass jemand die Hand ausstreckt? Die Wohlstands-Kreise der Passanten durch seine Existenz stört? Vielleicht auch noch wagt, jemanden anzusprechen und vor eine Entscheidung - Spende ja oder nein - zu stellen? Das sollte eigentlich all jenen zumutbar sein, die mit prall gefüllten Einkaufstaschen durch die Städte eilen. Aber offenbar will man uns per Gesetz davor bewahren, einen verstörten Blick zu riskieren - auf die Person am Straßenrand. Auf den Menschen, an dessen Stelle man auf gar keinen Fall sein möchte, was auch immer ihn dazu gebracht hat, dort zu stehen. Die Mündigkeit, sich damit zu konfrontieren, sollte man jedem zutrauen dürfen.

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