Prammer plädiert für eine neue Weltfrauenkonferenz Delegation trifft VertreterInnen der indischen Zivilgesellschaft

New Delhi (PK) - Für eine neue Weltfrauenkonferenz sprach sich Nationalratspräsidentin Barbara Prammer im Rahmen ihres Arbeitsaufenthalts in Indien aus. Seit der letzten Konferenz 1995
in Peking habe sich die Welt schließlich grundlegend verändert, hielt sie im Gespräch mit VertreterInnen der indischen Zivilgesellschaft fest, bei denen dieser Vorschlag auf große Zustimmung stieß.

Obwohl Indien 2005 ein umfassendes Gesetz zum Schutz von Frauen
vor häuslicher Gewalt beschlossen habe, das im Vorjahr novelliert wurde, und ein weiteres Gesetz zum Schutz von Frauen vor
sexueller Belästigung am Arbeitsplatz dem Parlament vorliege, sei Gewalt gegen Frauen in Indien nach wie vor ein großes Problem. Dieses werde allerdings noch immer nicht als gesamtgesellschaftliches Anliegen begriffen, sondern auf ein rein frauenpolitisches Thema reduziert. Zu diesem selbstkritischen
Fazit gelangten VertreterInnen der indischen Zivilgesellschaft,
mit denen die österreichische Parlamentarierdelegation im Rahmen ihres Indien-Aufenthalts zusammentraf. Die intensive Diskussion
war von Frauenfragen beherrscht und stellte eine interessante Ergänzung zu den offiziellen politischen Terminen in Indiens Hauptstadt New Delhi dar.

Das Patriarchat sei in Indien noch nicht überwunden, stellte die Sozial- und Menschenrechtsaktivistin Mohini Giri fest. Frauen und Mädchen würden weiterhin benachteiligt, oft geschehe das unter Berufung auf Traditionen. Strukturelle Schlechterstellung gebe es laut Giri beispielsweise auch im Justizbereich, Männer würden vor Gericht oft bevorzugt.

Der Schlüssel zur positiven Veränderung liege in Aufklärung und Ausbildung, waren sich die TeilnehmerInnen einig. Insgesamt gehe etwa ein Drittel der Mädchen nicht zur Schule, wurde berichtet,
in gewissen Regionen seien es sogar bis zu 50 %. Laut offizieller Statistik von 2010 verharrten 49 % der Inderinnen in Analphabetismus, bei den Männern liege dieser Wert hingegen nur
bei 25 %. Hier müsse gezielt angesetzt werden. Die
Frauenrechtlerin Ranjana Kumari berichtete von speziellen Programmen, die auf eine Bewusstseinsänderung bei den Jungen abzielten.

Der Vorschlag von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, eine neue Weltfrauenkonferenz abzuhalten, fand in der Runde ungeteilte Zustimmung. Seit Peking 1995 habe sich vieles verändert, argumentierte Prammer: "Wir müssen überprüfen, ob wir seit der letzten Konferenz Fortschritte erzielt haben: Wie haben die nationalen Aktionspläne gegriffen? Wo gibt es Fortschritt, wo Stillstand oder vielleicht sogar Rückschritt?" Eine solche tiefgehende Analyse sei vor allem im Lichte der jüngsten Finanz-und Wirtschaftskrise wichtig.

Breiten Raum nahm in der Debatte auch das Thema Frauenquote ein. Indien hat auf regionaler Ebene bereits durchgesetzt, dass mindestens ein Drittel der Abgeordneten Frauen sein müssen. Auf Bundesebene gibt es dazu einen positiven Beschluss des
Oberhauses, im Unterhaus wird das Gesetz noch von einem Teil der Opposition blockiert. Die indischen Teilnehmerinnen äußerten Zweifel daran, dass die Quote auch innerhalb der Parteien durchgesetzt werde, und bemängelten, dass es solche gesetzlichen Regelungen nicht auch für Minderheiten gibt.

Heute, Mittwoch, reisen die österreichischen ParlamentarierInnen nach Hyderabad, am Donnerstag erfolgt die Weiterreise nach
Chennai, wo in erster Linie Wirtschaftskontakte auf dem Programm stehen. Der Delegation gehören neben Prammer auch Dritter Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) sowie die Abgeordneten Christine Muttonen (SPÖ), Ruperta Lichtenecker (Grüne) und Sigisbert Dolinschek (BZÖ) an. (Schluss)

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