Ski- und Snowboardunfälle: Rückgang bei Fahrerfluchtunfällen

Zahl der Unfälle ging bis Mitte Jänner 2011 um rund ein Drittel zurück

Wien (OTS) - "Vom 1. November 2010 bis 15. Jänner 2011 ereigneten sich bundesweit 195 Fahrerfluchtunfälle auf Österreichs Skipisten. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 242 Unfälle und in der Wintersaison 2008/09 292", sagt Oberst Hans Ebner, Leiter des Alpindienstes im Innenministerium.

Rund 90 Prozent der Ski- und Snowboardunfälle im organisierten Skiraum sind selbstverschuldet. Nur ein geringer Teil der Pistenunfälle sind auf Kollisionen zwischen Wintersportlern zurückzuführen. Allerdings begehen viele Wintersportler nach einer Kollision auf der Piste Fahrerflucht. "Durchschnittlich handelt es sich bei etwas mehr als 20 Prozent der von der Alpinpolizei erhobenen Unfälle um Fahrerfluchtunfälle", sagt Ebner.

Nicht nur moralisch bedenklich, sondern auch strafbar

Die Alpinpolizei erhebt im organisierten Skiraum lediglich Unfälle mit Verdacht auf Fremdverschulden (zumeist Kollisionsunfälle), alle tödlichen Unfälle sowie Lift- und Lawinenunfälle. Wer einen Verletzten nicht Erste Hilfe leistet, handelt nicht nur moralisch bedenklich, sondern begeht auch eine Straftat: Das Delikt "Imstichlassen eines Verletzten" (§ 94 StGB) liegt vor, wenn jemand eine Körperverletzung verursacht und den Verletzten nicht hilft. Die Strafdrohung beträgt bis zu einem Jahr, bei schwerer Körperverletzung bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe.
Weiters steht auch "Unterlassen der Hilfeleistung" (§ 95 StGB) unter Strafe: Wer es bei einem Unglücksfall unterlässt, "die zur Rettung eines Menschen...offensichtlich erforderliche Hilfe zu leisten", macht sich ebenso strafbar - dies betrifft auch Zeugen sowie am Unfall Unbeteiligte. Es droht eine Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten.

Privates Anhalterecht

Auch Zeugen haben die Möglichkeit, etwas gegen Fahrerflüchtige zu unternehmen. § 80 der Strafprozessordnung besagt, dass jedermann berechtigt ist, diese Person auf verhältnismäßige Weise anzuhalten, jedoch unverzüglich Anzeige bei der Polizei erstatten muss, wenn auf Grund bestimmter Tatsachen angenommen werden kann, dass eine Person eine strafbare Handlung unmittelbar zuvor ausgeführt hat oder dass wegen der Begehung einer strafbaren Handlung nach ihr gefahndet wird.

Keinesfalls sollte man sich selbst oder andere gefährden. Wenn es die Situation ermöglicht, ist jedoch Zivilcourage angebracht.

Was tun im Falle eines Unfalles?

Die FIS-Regeln - sie sind zwar kein Gesetz, sondern allgemein anerkannte Verhaltensregeln für Wintersportler im organisierten Skiraum - sehen in den Regeln 9 und 10 vor, dass bei Unfällen jeder zur Hilfeleistung verpflichtet ist und jeder Skifahrer, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben muss. Laut Karl Gabl, Präsident des österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit, ist der Großteil der Wintersportler bereit, bei einem Unfall den Verletzten zu helfen. Eine Minderheit flüchtet jedoch, häufig aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen. Diese sind jedoch umso schwerwiegender, wenn ein Fahrerflüchtiger von der Polizei gefasst wird.

Telefonnummer oder Visitenkarte austauschen

Ein weiteres Problem stellt in vielen Fällen die "unabsichtliche" Fahrerflucht dar: Zwei Wintersportler kollidieren, nach einem ersten Meinungsaustausch sind beide unverletzt und fahren weiter. Erst im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass eine Person verletzt worden ist und begibt sich in ärztliche Behandlung, wodurch automatisch -aufgrund des Unfallgeschehens - bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt erstattet wird. Deshalb geht der Rat an alle Wintersportler, im Falle einer Kollision - auch wenn keiner der Beteiligten zunächst eine Verletzung wahrnimmt - die Visitenkarte oder zumindest Telefonnummer und Name auszutauschen.

Rückfragen & Kontakt:

Obst. Hans Ebner,
Leiter der Alpinpolizei im Bundesministerium für Inneres,
Tel. +43 664 2551398

Dr. Karl Gabl,
Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit, Tel.: +43 664 2100879

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NIN0001