WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Keine Panik beim Ölpreis - von Hans Weitmayr

Das bedeutet nicht, dass der Benzinpreis nicht noch weiter steigt

Wien (OTS) - Gut, zugegeben: Die beste Möglichkeit, in einem fliegenden Flugzeug Panik auszulösen, besteht im Ausrufen von "Keine Panik!". Wir tun es beim Ölpreis trotzdem - erstens, weil wir es tatsächlich so meinen, zweitens in keinem Flugzeug sitzen und außerdem das Rufzeichen weglassen. Also: "Keine Panik."

Zwar kann man nicht ausschließen, dass der Ölpreis in nächster Zeit noch um ein paar Dollar per Fass steigt - tatsächlich herrscht psychologisch Unruhe im Markt -, fundamental spricht derzeit aber zu viel gegen einen Marsch Richtung 146 - also dem Allzeit-Hoch aus dem Jahr 2008: Da wäre zunächst einmal die dreimal so hohe freie Förderkapazität des Ölkartells Opec plus dem Zugeständnis, die Ölhähne im Bedarfsfall weiter zu öffnen. Dazu kommen US-Lagerbestände, die mit zuletzt 343 Millionen Fass deutlich über dem zehnjährigen Schnitt liegen. Und zu guter Letzt spielt der Suez-Kanal eine sinkende Rolle in der Ölversorgung. So sind zum einen alternative Pipeline-Netze noch nicht ausgelastet. Zum anderen würde der Worst Case - also eine Schließung - lediglich zu einer längeren Wegstrecke über das Kap der Guten Hoffnung führen. Der Zeitverlust von 14 Tagen wäre verschmerzbar, würde gemeinsam mit den erhöhten Treibstoffkosten zu einem Aufschlag beim Ölpreis führen, aber keine Rally wie 2008 auslösen - von einem Schock wie in den 70er-Jahren ganz zu schweigen.

Das einzige Problem, das wirklich zu einem Öl-Engpass führen könnte, wäre ein Übergreifen der Unruhen auf Saudi-Arabien, gefolgt von einem Wechsel des Regimes mit feindlicher Grundgesinnung gegenüber dem Westen - ein Szenario, dessen Wahrscheinlichkeit sich dieser Tage jedoch nicht kalkulieren lässt.

Das bedeutet nicht, dass Benzin an den österreichischen Zapfstellen nicht noch teurer wird - es ist diesmal nur tatsächlich ein vom Ölpreis relativ losgelöster Aspekt. Der jüngste Preisschub wurde nicht von den Rohstoffmärkten ausgelöst, sondern von einer Bundesregierung, der in fiskal knappen Zeiten nichts anderes einfällt, als die Steuern zu erhöhen. Dazu wird das über die Jahre liebgewonnene Ritual kommen, vor den Semesterferien ein wenig an den Anzeigetafeln der Tankstellen herumzuspielen - das Dementi von Betreibern und Mineralölkonzernen sei hiermit vorweg zur Kenntnis gekommen.

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