"KURIER"-Kommentar von Magdalena Rauscher-Weber: "Leistungsförderung"

Das Volk soll die Bildungsreform erzwingen - ein Armutszeugnis für Politiker.

Wien (OTS) - In Wien und Niederösterreich bekommen heute die Schüler ihr Zeugnis. Wäre auch für die Bildungspolitiker Zeugnistag, hätten sie wenig Grund zur Freude. Nicht genügend müsste in dieser Schulnachricht stehen - und zwar aufgrund von mangelnder Mitarbeit und wegen schlechten Betragens.
SPÖ und ÖVP verzetteln sich nach wie vor in ideologischen Streitigkeiten über Gesamtschule, Gymnasium und Studiengebühren. Antworten, wie die Schulen und Universitäten besser werden können, kommen von den verantwortlichen Politikern nicht. Andere bemühen sich zumindest. Hannes Androsch startet sein Bildungsvolksbegehren, und die Sozialpartner haben ein Reform-Konzept für die Bildung ausgearbeitet.
Das Volksbegehren ist inhaltlich leider dürftig ausgefallen. Dennoch ist es eine Chance für die Menschen, den Politikern zu zeigen, was sie wollen. Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber über etwas nachdenken, was eigentlich nicht in ihre Kompetenz fällt, ist das ebenfalls positiv. Dass das in so einer zentralen Frage wie der Bildung notwendig ist, ist ein Armutszeugnis für die Politik. Schüler brauchen manchmal sanften Druck, dass sie ihre Hausaufgaben machen. Vielleicht gelingt es Androsch & Co., das Leistungsdenken in der Politik zu forcieren.

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