Sozialpartner: Initiative für Bildungsdialog mit politisch Verantwortlichen

Gemeinsame Positionen von WKÖ, AK, ÖGB, LK und IV zu den 12 aktuellen bildungspolitischen Vorhaben von Unterrichts- und Wissenschaftsministerinnen

Wien (OTS/PWK071) - Die PISA-Bewertung hat das österreichische Schulwesen hart getroffen. Der positive Aspekt der Misere ist die dadurch entstandene Erneuerungsdiskussion des gesamten Bildungswesens. Die Sozialpartner - Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Arbeiterkammer (AK), Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB), und Landwirtschaftskammer Österreich (LK) - bringen sich aus diesem Grund gemeinsam mit der Industriellenvereinigung (IV) aktiv in die Bildungsdiskussion ein. Sie haben ein Konzept für einen intensiven "Bildungsdialog" erarbeitet, in dem sie die zwölf aktuellen bildungspolitischen Vorhaben der Unterrichts- und Wissenschaftsministerinnen unterstützen und ihre gemeinsamen Positionen dazu formulieren.

Das Ergebnis des "Bildungsdialogs" wurde heute, Mittwoch, im Beisein der Bundesministerinnen Claudia Schmied und Beatrix Karl von WKÖ-Präsident Christoph Leitl, AK-Präsident Herbert Tumpel, ÖGB-Präsident Erich Foglar, LK-Präsident Gerhard Wlodkowski und IV-Präsident Veit Sorger präsentiert. Die Sozialpartner waren sich dabei einig, dass es für den Wirtschaftsstandort Österreich ganz entscheidend sei, das Potential und die Talente aller in Österreich lebenden jungen Menschen bestmöglich zur Entfaltung zu bringen. Wichtig sei diesbezüglich die Einpassung der Vorschläge des "Bildungsdialogs" zur Schulreform in ein bildungspolitisches Gesamtkonzept. Die Sozialpartner und die Industriellenvereinigung bekennen sich dazu, dass Österreich seine wirtschaftliche Stärke, seine Attraktivität als Innovationsstandort und damit auch den Wohlstand und sozialen Zusammenhalt nur erhalten kann, wenn im Bereich der Bildung und Qualifizierung weitere Reformschritte gesetzt werden.

Die Sozialpartner-Positionen zum "Bildungsdialog":

1.PädagogInnenausbildung NEU
Die Sozialpartner sprechen sich für eine gemeinsame Ausbildung aller PädagogInnen (Kindergarten, Schule, Erwachsenenbildung) auf tertiärem Niveau aus.

2.Neues Dienst- und Besoldungsrecht für neu eintretende Lehrkräfte Der Lehrerberuf soll durch ein leistungsgerechtes bundesweit einheitliches Dienst- und Besoldungsrecht attraktiver gemacht werden. Es soll auch eine Ausdehnung der Anwesenheit von Lehrkräften an der Schule bei verbesserten Arbeitsbedingungen beinhalten.

3.Weiterentwicklung der österreichweiten Schulaufsicht
Höhere Qualität bedarf einer neuen Schulgovernance. Das beinhaltet eine Stärkung der Autonomie der Schulen - zB Lehrkräfte auszuwählen Evaluierung und Qualitätsmanagement jedes einzelnen Schulstandortes sind wichtig.

4.Sprachförderung bereits im Kindergarten
Die Sozialpartner begrüßen den Nationalen Bildungsplan für die Kindergärten. Der Kindergarten soll die Voraussetzungen für den erfolgreichen Schuleintritt schaffen. Das sind insbesondere ausreichende Deutschkenntnisse. Die Sozialpartner fordern die Bundeskompetenz für eine Rahmengesetzgebung bezüglich Qualitätskriterien und Standards.

5.Ausbau Neue Mittelschule
Der Ausbau der Neuen Mittelschule ist ein wichtiger Punkt zur besseren Entwicklung der Potenziale Jugendlicher zwischen 10 und 14 Jahren. Eine quantitative Beschränkung dieses Schulversuchs ist nicht sinnvoll. Die Sozialpartner treten dafür ein, dass alle notwendigen Schritte insbesondere in Bezug auf eine einheitliche Ausbildung aller Lehrkräfte auf der Sekundarstufe I sowie einer Reform des Dienst- und Besoldungsrechts in Angriff genommen werden, um so wesentliche Voraussetzungen für eine damit mögliche gemeinsame Schule der 10-14Jährigen zu schaffen.

6.Ausbau ganztägige Schulangebote mit verstärkter Förderung
Der flächendeckende Ausbau von Ganztagsschulen ist wichtig, um die Fähigkeiten aller Kinder zur Entfaltung zu bringen. . Kurzfristiges Ziel ist, in jedem Bezirk zumindest eine Volksschule sowie eine Schule der Sekundarstufe I mit ganztägiger Betreuung zu haben.

7. Feedback-Kultur in 4. und 8. Schulstufe - Überprüfung Grundkompetenz
Die bereits gesetzten Schritte, in der 4. und 8. Schulstufe durch eine schulexterne Überprüfung von Bildungsstandards ab 2012 eine neue Feedbackkultur zu etablieren, findet die volle Unterstützung. Die Sozialpartner gehen noch weiter: Bildungsstandards mit klar definierten Mindestlevels sollen zu einer Verbindlichkeit von Bildungszielen und zu einer höheren Verlässlichkeit des Schulsystems betragen. Deren Überprüfung soll flächendeckend und die Auswertung auf individueller Ebene erfolgen.

8.Kleinere Gruppen und Individualisierung im Unterricht
Die Schüler sollen entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten gefördert werden. Dazu sind kleinere Schülergruppen notwendig. Außerdem sollen Alternativen zur gegenwärtigen Fächerstruktur durch fächerverbindende, projektartige Unterrichtsformen und eine alternative Zeitorganisation erarbeitet werden.

9.Studienwahlberatung NEU und Bildungsweg- und Berufsorientierung Die Sozialpartner begrüßen das Vorhaben, die Studienwahlberatung neu zu regeln und regen an, dass sie aufgrund ihrer Expertise zu den Beratungen über die Eckpunkte der geplanten Verordnung beigezogen werden. Die bereits gesetzten Maßnahmen im Bereich Information, Beratung, Orientierung in der 7. und 8. Schulstufe werden begrüßt. Die Sozialpartner sprechen sich dafür aus, Berufsorientierung auf diesen Schulstufen ausschließlich als verbindliche Übung anzubieten.

10.Studienplatzbezogenen Finanzierung der Universitäten und Hochschulplan
Die österreichische Hochschullandschaft soll mit Hilfe eines "Hochschulplans" strategisch weiterentwickelt werden. Ein gesamtösterreichischer Hochschulplan soll in Kooperation mit den Hochschuleinrichtungen und den Sozialpartnern erstellt werden. Die Sozialpartner unterstützen das Vorhaben, so rasch wie möglich eine fundierte und transparente Grundlage zu schaffen, welche die Ist-und Normkosten für einen Studienplatz darstellbar macht. Zudem sind unterschiedliche Szenarien und Modelle der Studienplatzfinanzierung zu prüfen.

11.Qualitätssicherungsinitiative im Hochschulwesen
Die Sozialpartner befürworten die Arbeiten an einem hochschulübergreifenden Rahmengesetz zur externen Qualitätssicherung an Universitäten, Fachhochschulen und Privatuniversitäten. das vorgesehene Mitentscheidungsrecht von Vertretern der Berufspraxis und das Nominierungsrecht der Sozialpartner wird begrüßt.

12.LLL-Strategie und Kofinanzierungsmodell für kostenloses Nachholen von Bildungsabschlüssen
Die Arbeiten an einer umfassenden Strategie zum LLL (Lebenslanges Lernen) sind noch im Gange. Dabei soll auch die Vermittlung von New Skills für Chancen auf dem Arbeitsmarkt besonders thematisiert werden. Die Sozialpartner sehen in der Einrichtung der "Nationalen Plattform für lebensbegleitendes Lernen" einen wichtigen Schritt und fordern Sitz und Stimme in diesem Gremium. (BS)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Rupert Haberson
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http://wko.at/Presse

Arbeiterkammer
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Tel.: +43/1/50165-2578
http://wien.arbeiterkammer.at

ÖGB
Nani Kauer
Tel.: +43/1/53444-39261
http://www.oegb.at

Landwirtschaftskammer Österreich
Josef Siffert
Tel.: +43/1/53441-8521
www.lk-oe.at

Industriellenvereinigung
Raphael Draschtak
Telefon: +43/1/71135-2305
www.iv-net.at

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