Ärztekammer: Qualitätsversorgung in Wien muss gehalten werden

Wien als Weltstadt hat andere Herausforderungen in der Medizin als ländliche Regionen

Wien (OTS) - "Millionenstädte wie Wien haben eine andere Patientenstruktur, höhere Krankheitsbelastungen sowie eine Bündelung von umfassenden Behandlungsmöglichkeiten, die alle mehr Geld kosten", stellte Ärztekammerpräsident Walter Dorner, gestern, Freitag, Abend bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Kongresses "Medizin in Wien" im Wiener Rathaus fest. Diese Besonderheiten dürften in der Gesundheitspolitik nicht außer Acht gelassen werden. ****

Wien habe schon deshalb höhere Gesundheitskosten, da viele Krankheiten, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, HIV, Atemwegserkrankungen, Drogenmissbrauch oder Depressionen, in einer Weltstadt wie Wien einfach häufiger vorkämen. Zudem lägen in einigen Krankheitsbereichen die Erkrankungshäufigkeiten sowie das Sterblichkeitsrisiko deutlich über dem österreichischen Durchschnitt, so Dorner.

Statistiken belegen das eindrucksvoll: So befindet sich die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit bei den unter 75-Jährigen in Wien um 25 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die Krebssterblichkeit ist um 9 Prozent höher. Dorner: "Bei Lungenkrebs haben wir in Wien bei den Männern um 18 Prozent, bei den Frauen sogar um 36 Prozent mehr Sterbende zu beklagen."

Die Besonderheiten in gesundheitspolitischer Hinsicht beziehen sich auch auf die speziellen sozio-ökonomischen Faktoren, die in Wien vermehrt zu finden sind. "Schlechter Gestellte haben ein höheres Krankheitsrisiko", stellt Dorner klar. Dies zeige auch das Beispiel der 40-jährigen Arbeitnehmer in Wien: 60 Prozent von ihnen rauchen, 60 Prozent haben Übergewicht, 25 Prozent leiden an Adipositas sowie 33 Prozent an Hypertonie. Dorner: "Diese Daten liegen weit über dem österreichischen Durchschnitt."

Weltstädte haben mehr Ärzte und einen besseren Zugang

In einer Medizinweltstadt wie Wien gibt es auch ein anderes Behandlungsniveau. "Wir haben ein 'Super-Spital', das AKH, weitere sechs Spitäler auf Universitätsniveau, eine größere Facharzt- und Wahlarztdichte als in den Bundesländern sowie einen leichteren Zugang zu medizinischen Leistungen", führte der Ärztechef aus. Wien liege damit im Trend vieler anderer Weltstädte, die zwar ein höheres Behandlungsniveau aufweisen, aber keine Überversorgung haben, sondern sich lediglich "dem juristisch geforderten State-of-the-Art-Niveau" annähern.

Stadtregionen mit medizinischen Universitäten haben 6,5 bis 7 Ärzte pro 1000 Einwohner. In vielen ländlich-peripheren Regionen beläuft sich diese Zahl auf zwei Ärzte pro 1000 Einwohner. Auch die Versorgung mit medizinischen Großgeräten ist in Ballungsräumen intensiver als in ländlichen Gebieten. Dorner: "Das ist keine Überversorgung in Wien, sondern lediglich eine Annäherung an den State of the Art."

Dorners Schlussfolgerungen lauten daher: Wien arbeite zwar nahe am juristisch geforderten Standardniveau, aber auch in der Bundeshauptstadt gäbe es Versorgungslücken. "Vor allem die mangelnde kinderpsychiatrische Versorgung im extramuralen Bereich ist derzeit ein großes Manko für die Patienten." Hier erwartet sich Dorner allerdings Verbesserungen schon in diesem Jahr: "Wir haben im neuen Vertrag mit der Wiener Gebietskrankenkasse ausdrücklich die Forcierung der kinderpsychiatrischen Versorgung festgeschrieben." Nun sei die Krankenkasse am Zug, diese Vertragsvereinbarung auch in konkrete Verbesserungsschritte zu übertragen und neue Ordinationsstandorte in Wien zu schaffen.

Die Reduktion der ambulanten Versorgung, "wie wir sie derzeit leider im Zuge der Diskussion um die Aufnahme neuer Leistungen in den Kassenkatalog auch in Wien erleben", führe zu einer Verschiebung der Patienten in Richtung Ambulanzen und Spitäler. Damit aber werde "der Trend zur Privatversorgung und Zwei-Klassen-Medizin verstärkt", ist Dorner überzeugt. Von dieser Schlechterstellung würden insbesondere ältere Frauen und Personen mit kleinem Einkommen - beide Gruppierungen finden sich überproportional in Wien - betroffen sein. "Aus medizinethischen Gründen lohnt es sich daher, für eine hohe Qualitätsversorgung in Wien einzutreten", so Dorner abschließend. (kmc)

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