Versicherungsagenten: Herausforderung Altersstruktur

Österreichs Versicherungsagenten wollen Altersschnitt senken. Studie analysiert Situation und stellt Lösungen in Aussicht.

St. Pölten (OTS) - Von den im Jahre 2010 österreichweit rund 9000 aktiven selbständigen Versicherungsagenten sind 40% älter als 50 Jahre. Bis zum Jahr 2020 wird diese Zahl an Agenten durch Pensionierungen und Nachwuchsmangel um bis zu 15% sinken. Gleichzeitig wird der Anteil an über 50-jährigen aktiven Versicherungsagenten - ohne Zuführung von Migranten - auf 61% ansteigen.

Dies belegt jetzt eine im Auftrag des Landesgremiums der Versicherungsagenten erstellte österreichweite Studie zum Thema "Überalterungs- und Nachfolgeprobleme der Versicherungsagenten -Analyse, Lösungsansätze, Perspektiven" unter der Leitung von Univ.-Prof. DDr. Wolfgang Rohrbach. Hierfür wurden von Mai bis November 2010 über 400 Versicherungsagenten, -direktoren und -juristen sowie Kunden, Funktionäre und Journalisten befragt. Die Ergebnisse präsentierte man vergangenen Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz im Wiener Café Vienne.

Problematik: "Provisionsverzichtsklauseln"

Die Gründe für das Nachwuchsproblem sieht man in erster Linie in den gesetzlichen Rahmenbedingungen bzw. "Provisionsverzichtklauseln" in zahlreichen Agenturverträgen. Trotz der Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie (2005), die eine hierarchische Gleichstellung von Agenten und Maklern vorsah, sind drei Viertel der befragten Vermittler der Meinung, dass "Agenten bei Versicherern in gewissen Bereichen finanziell schlechter gestellt sind als Makler." Dazu KommR Peter Salek, Bundes- und Landesgremialobmann der Versicherungsagenten: "Ein Grund für die Nachwuchsprobleme sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die beschämend sind: Verlässt ein Versicherungsagent sein Unternehmen, muss er in der Regel auf die Fortzahlung seiner Provisionen verzichten. Dabei schafft ein Agent oftmals für den Versicherer die besten und langfristigsten Abschlüsse. Das muss honoriert werden." Klauseln, die gemeinhin nicht für Makler oder den angestellten Außendienst gelten. Das Bundesgremium der VA drängt bereits seit 2001 auf die Beseitigung dieser Benachteiligung. "Wir wollen faire, partnerschaftliche Verträge!", so Salek.

Lösungsmöglichkeiten

Bereits jeder dritte im Rahmen der Studie befragte (General-)Agent kam weiters zu der Ansicht, dass die derzeitige Situation - vor allem im ländlichen Raum - zunehmend mangelhaft betreute Kundenbestände verursacht. Die Studie stellt aber auch bereits konkrete Lösungen zur Diskussion, welche die stark steigende Zahl unbetreuter Kundenbestände ins Auge fasst. So könnte die Aufnahme von Migranten und einheimischen Quereinsteigern der Situation dienlich sein. Auch Groß- bzw. Generalagenturen werden als Möglichkeit gesehen: "Immer öfter führen Versicherungsunternehmen mit eigenen Außendienstmitarbeitern Umstellungen auf 'selbständige Agenten' durch. Mit Hilfe der Versicherer werden attraktiv ausgestattete Agenturräumlichkeiten geschaffen, und es gelingt, Agentengruppen von 6-20 Personen zu Sozietäten, General- oder Großagenturen zu verschmelzen", heißt es in der Studie. Die Vorteile u.a.: Geringere Pro-Kopf-Ausgaben und größere Flexibilität bei Terminplanung und -einhaltung. Informationsmängel und schlechter Beratung könnte man laut Studie z.B. mit mehr Qualifikation ("Qualifiziert, zertifiziert, erfahren") und Agenturverbänden, wie es sie bereits in einzelnen Bundesländern gibt, begegnen.

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Obmann KommR Peter Salek (0676/5009524; peter.salek@tele2.at)
Geschäftsführer Dr. Harald Sippl
(0676/828319330; harald.sippl@wknoe.at)

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