Zwangsheirat: Grazer Caritas-Beratungsstelle hilft Betroffenen

21 Betreute seit Start des Pilotprojekts "Beratung für Betroffene von Gewalt im Namen der Ehre" im Vorjahr

Graz, 27.01.11 (KAP) Mädchen und Frauen, denen eine Zwangsehe droht oder die sich aus einer solchen befreien wollen, haben in einer Grazer Caritas-Beratungsstelle seit dem Vorjahr eine Anlaufstelle. Wie die Leiterin des Pilotprojektes "Beratung für Betroffene von Gewalt im Namen der Ehre", Christina Kraker-Kölbl, im Gespräch mit "Kathpress" am Donnerstag erklärte, haben sich bisher 21 betroffene Frauen und zusätzlich sechs involvierte Kinder an die Einrichtung gewandt.

Entstanden sei das Projekt durch Anlassfälle, die in anderen Caritas-Einrichtungen wie Schulen oder Notschlafstelle zu Tage getreten seien. Der erste Eindruck, dass es sich bei dieser Form von Gewalt gegen Frauen um Einzelfälle handle, habe sich inzwischen revidiert: Es gebe viele Betroffene, und die Dunkelziffer sei hoch, so Kraker-Kölbl. Nicht immer sei das Muster so, dass Frauen von ihren Angehörigen gegen ihren Willen ins Ausland geschafft und sie dort mit einem der Familie genehmen Mann verheiratet werden: Dieses Phänomen komme auch direkt in Österreich vor.

Die Caritas-Expertin legt Wert darauf, dass derartige Übergriffe nicht einer generellen Islamfeindlichkeit Vorschub leisten sollen:
Der Hintergrund von Zwangsehen sei weniger religiös als vielmehr in einengenden kulturellen Traditionen begründet. Kraker-Kölbl berichtete, dass die Hälfte des Beratungsteams selber einen muslimischen Hintergrund habe; die Caritas bemühe sich außerdem gerade darum, mit islamischen Einrichtungen und Gruppen zu kooperieren, um der Zwangsheirat entgegenzutreten.

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