"KURIER"-Kommentar von Karin Leitner: "Bitte zu Gericht!"

Edmund Entacher sollte gegen seine Abberufung als General berufen.

Wien (OTS) - Da sag' noch einer, Geschichte wiederholt sich nicht. 1971 berief der rote Verteidigungsminister Lütgendorf seinen Pressereferenten ab, weil er die Wehrpolitik der SPÖ kritisiert hatte. Nun hat der rote Verteidigungsminister Darabos seinen Generalstabschef abberufen, weil er die Wehrpolitik der SPÖ kritisiert hat.
Es kommt hierzulande kaum vor, dass ein Ressortchef einen seiner Spitzenbeamten absetzt - weil es kaum vorkommt, dass ein Spitzenbeamter seinem Ressortchef öffentlich widerspricht. Nicht aufmucken, anpassen ist die Devise. Erst recht, seit Spitzenjobs nicht mehr auf ewig, sondern befristet vergeben werden. Wer will schon in die Niederungen zurück, wenn er fünf Jahre lang Höhenluft geschnuppert hat?
Angesichts der gewohnt bedingungslosen "Loyalität" ihrer Untergebenen tun sich Minister mit "Illoyalen" schwer. Erst recht, wenn - wie im Fall Entacher - die mit der eigenen Partei verhaberte Krone gebietet, dass Darabos durchgreifen muss.
Hoffentlich geht der General zu Gericht. Die Chancen, dass seine Demontage als nicht rechtens qualifiziert wird, stehen nicht schlecht. Ein positives Urteil für Entacher würde zeigen:
Zivilcourage lohnt sich - selbst in einem auf Befehl und Gehorsam aufgebauten System.

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