Deutschlernen oder Ausgrenzung?

Unabhängige ExpertInnen kritisieren Sprachlernmaßnahmen für Rot-Weiß-Rot Karte

Wien (OTS) - Das "Netzwerk SprachenRechte" machte heute im Rahmen einer Pressekonferenz deutlich, welche inhaltlichen und menschenrechtlichen Probleme die geplanten Sprachlernmaßnahmen zum Erwerb der Rot-Weiß-Rot Karte nach sich ziehen.

In ihrer sprachbezogenen Stellungnahme nahm eine Reihe von unabhängigen ExpertInnen kritisch zu den vom Innenministerium geplanten Gesetzesänderungen Stellung. Es ginge wohl "in erster Linie nicht um Integration und Deutschlernen, sondern eher darum, Deutschkenntnisse als Vorwand zu nutzen, Zuwanderer aus bestimmten Ländern auszugrenzen."

Rund zwei Drittel aller Zuwanderer nach Österreich kommen aus EU-Ländern und können daher nicht zu Deutschkursen verpflichtet werden. Die Maßnahmen betreffen nur Angehörige von Drittstaaten. MigrantInnen, so Angelika Hrubesch vom Netzwerk SprachenRechte, "werden offenbar mit zweierlei Maß gemessen."

Prof. Rudolf de Cillia, Universität Wien: "Der Erwerb der deutschen Sprache ist wichtig, aber nicht einziger Maßstab für die Integration. Es sollten dem aktuellen Stand der Sprachlehrforschung entsprechende Angebote für alle nicht-deutschsprachigen Zuwanderer geschaffen werden." Statt der mit Sanktionen verknüpften, verpflichtenden Einheitskurse sollte ein Maßnahmenpaket von kostenlosen oder kostengünstigen, niederschwelligen und zielgruppenadäquaten Deutschkursen entwickelt werden, so der Sprachwissenschafter.

"Die geplanten Maßnahmen sind sozial diskriminierend, da die entstehenden Kosten sehr hoch sind und der Sprachkurszwang für viele Personen eine erhebliche Mehrbelastung darstellt", kritisierte Andrea Eraslan-Weninger, Geschäftsführerin des Integrationshauses. Weiters wurde bemängelt, dass die verlangten Deutschkenntnisse schon vor der Einreise ins Land erworben und nachgewiesen werden müssen, was zu "unvertretbaren Belastungen bis hin zur Zerstörung der Familien führen kann".

Das Netzwerk SprachenRechte ist ein Zusammenschluss von ExpertInnen aus verschiedenen Forschungs- und Praxisbereichen.

Rückfragen & Kontakt:

Prof. Dr. Rudolf de Cillia
Institut für Sprachwissenschaft, Universität Wien
rudolf.de-cillia@univie.ac.at
Tel. 4277/417-25
www.sprachenrechte.at

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