Der Primat der Politik ist zu wenig - Leitartikel von Beate Troger

Darabos hat Entschlossenheit gezeigt. Jetzt liegt es an ihm, auch Führungsfähigkeit zu beweisen.

Wien (OTS) - Es ist ein seltsames Spiel, das gestern hinter Mauern des Verteidigungsministeriums ein vorläufiges Ende gefunden hat. Minister Norbert Darabos hat den Generalstabschef - seinen wichtigsten Beamten - abberufen. Den Abgang in die Pension hat der 61-jährige Edmund Entacher abgelehnt.

Entacher blieb dabei, dass er bei einem Umstieg von der Wehrpflicht auf ein Berufs- und Freiwilligenheer so viele Probleme sieht, dass er diesen Schritt nicht unterstützen kann. Das Seltsame daran: Entacher war auch daran beteiligt, dem Minister jene Modelle vorzulegen, aus denen dieser die Vorzüge seines Lieblingsmodells abliest.

Dass Darabos gegen Entacher durchgegriffen hat, ist deshalb nur konsequent. Er, Darabos, wurde von seinem Parteichef und Bundeskanzler gedrängt, vom Freund zum Gegner der Wehrpflicht zu werden. Daraufhin hat er, Darabos, diesen Schwenk nach unten, zum Generalstabschef und über ihn zu den anderen Offizieren weitergegeben. Es ist das alte Prinzip: Ober schlägt Unter.
Nach dem demonstrativen Durchgreifen gegen Entacher muss Darabos jetzt aber echte Stärke und Führungsfähigkeit beweisen. Entacher steht mit seiner Skepsis in der Generalität nicht alleine da.
Mit einem neuen militärischen Kopf muss Darabos daher noch einmal durchstarten und einen zweiten Anlauf für die Abschaffung der Wehrpflicht nehmen. Wie in einem Unternehmen muss er versuchen, bei dieser Kehrtwende in der Geschäftsgrundlage auch seine Mitarbeiter an Bord zu haben. Das bedeutet rechtzeitige und ausführliche Information, das bedeutet Ernstnehmen der Bedenken.

Der Primat der Politik, der Vorrang der politischen Entscheidung vor Bedenken der Beamten, ist unbestritten. Ebenso unbestritten ist aber auch, dass nur motivierte Mitarbeiter gute Ergebnisse abliefern können.

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