Neue Flugroute für Propellerflugzeuge und kleine Jets

Therapie für das Fluglärmproblem in Liesing oder neues Placebo aus der Hausapotheke des Dialogforums?

Wien (OTS) - Glaubt man den Aussagen von Herrn Gemeinderat
Valentin soll Liesing dadurch massiv entlastet werden, dass in Zukunft von der Piste Richtung Westen nicht nur Propellerflugzeuge, sondern auch kleine Jets sofort nach dem Start eine Rechtskurve fliegen dürfen. Wenn auch diese Entwicklung in Anbetracht der erstmaligen Berücksichtigung der Anzahl der Fluglärmbetroffenen für die dafür neu zu schaffende Flugroute äußerst positiv zu bewerten ist, so ist davon noch keine nennenswerte Entlastung Liesings zu erwarten.

Denn erstens darf die neue Flugroute aus sicherheitstechnischen Gründen nur von Flugzeugen beflogen werden, die auch noch mit halber Triebwerksleistung die Kurve vor der Borealis schaffen. Damit wäre diese Flugroute überhaupt nur für relativ kleine und leise Jets verwendbar.

Zweitens kommt die neue Route nur bei Nordwestwind zum Einsatz, also immer dann, wenn normalerweise ohnehin nicht über Liesing gestartet wird. Eine Verbesserung für Liesing ergibt sich somit nur in Ausnahmefällen, beispielsweise, wenn die Piste Richtung Norden gesperrt ist.

Damit steht einer Mehrbelastung Liesings, die alleine im letzten Jahr im zweistelligen Prozentbereich gelegen ist, eine Entlastung gegenüber, die sich nur im Promille-Bereich bewegt.

Die Unbekümmertheit, mit der hier quasi Placebos als Heilmittel verkauft werden, dürfte nicht zuletzt an einer fehlerhaften Diagnose liegen. So sind Gemeinderat Valentin und sowie das vom Flughafen bezahlte Dialogforum offensichtlich immer noch der Meinung, dass in Liesing die WHO Grenzwerte durch Fluglärm nicht überschritten werden. Unzählige Beschwerden über Weckflüge, zerstörte Erholungszeiten und Kinder, die abends nicht einschlafen können, werden so einfach ignoriert.

Trotz zahlreicher Hinweise durch die BI "Liesing gegen Fluglärm" dürften dem Vorstandsmitglied des Dialogforums Valentin bei der Lektüre des Dokuments der Weltgesundheitsorganisation die entscheidenden Passagen bisher immer entgangen sein. So stellt die WHO fest, dass bei tieffrequentem Lärm niedrigere Grenzwerte als die angegebenen gelten müssen und dass für diskontinuierlichen Lärm auch der Maximalpegel heranzuziehen ist. Ganz abgesehen davon, dass diese weltweit gültigen Empfehlungen noch lange keine gesundheitliche Unbedenklichkeit garantieren.

Vielmehr gibt es den naheliegenden und durch mehrere Studien bestätigten Verdacht, dass der Fluglärm in Liesing bereits eine gesundheitsschädliche Wirkung entfaltet, die auch den Steuerzahler jährlich viele Millionen Euros kostet. Dazu trägt nicht zuletzt die Konzentration der dröhnenden Überflüge in den Morgen- und Abendstunden bei.

Will man im Interesse der Allgemeinheit die Anzahl der vom gesundheitsschädlichen Fluglärm Betroffenen tatsächlich massiv reduzieren und Wien weitgehend vom Fluglärm entlasten, wäre das auch kurzfristig möglich. So würde es reichen, den Pistenbelegungsplan dahingehend zu ändern, dass bei Windstille auch so wie jetzt schon bei Nordwestwind geflogen wird. Damit würde sowohl der Großteil der Landungen als auch der Großteil der Starts über dem dicht besiedelten Wien schlagartig entfallen.

Unabhängig davon ist aber auch die Frage zu stellen, ob tatsächlich mehr als drei Abflugrouten hinter der Linkskurve von der Piste Richtung Westen benötigt werden und ob die durch die Ausdehnung der Startrouten auf Wiener Stadtgebiet gewonnene Maximalkapazität für den Tag X jemals als Rechtfertigung dafür herhalten darf, das Wohngebiet von 100.000 Menschen dem täglichen Fluglärmterror auszusetzen?

Rückfragen & Kontakt:

Parteiunabhängige Bürgerinitiative
"Liesing gegen Fluglärm und gegen die 3. Piste"
Email: liesing@fluglaerm.at
Homepage: http://liesing.fluglaerm.at

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