Bundeskanzler Faymann: "Kreiskys Erbe heißt, die soziale Balance wirklich zu leben"

Der Bundeskanzler würdigte die Bildungsreformen Bruno Kreiskys anlässlich des Festaktes zu dessen 100. Geburtstag

Wien (OTS) - "Wir denken heute zurück an den Menschen Bruno Kreisky, an den Politiker, Staatsmann, Weltbürger, an den Demokraten, Staatssekretär, Außenminister und selbstverständlich an den Bundeskanzler Bruno Kreisky. An Kreisky, den Patrioten und Mitverhandler des Staatsvertrags, der für Österreich gelebt und gelitten hat", sagte Bundeskanzler Werner Faymann heute anlässlich des 100. Geburtstages von Bruno Kreisky beim großen Festakt der Republik in der Wiener Hofburg, zu dem Wegbegleiter und hohe Repräsentanten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst, Familienmitglieder Kreiskys, aber auch viele internationale Gäste wie Tschechiens Außenminister Karl Schwarzenberg, Finnlands ehemaliger Premier Paavo Lipponen und Spaniens früherer Ministerpräsident Felipe Gonzáles gekommen waren.

Bundeskanzler Faymann erinnerte auch an Bruno Kreiskys ungeheuren Elan und an seinen umfassenden Reformeifer. "Von den großen Gesetzeswerken im Familien- und Strafrecht bis hin zu den Schwerpunkten der Bildung, der Wissenschaft, der Gesundheit, des Steuerrechts, der Landesverteidigung, der Demokratie, bis zum Rundfunk reicht der Bogen. Österreich sollte moderner und zugleich menschlicher werden. Ein frischer Wind durchlüftete das Land und brachte auch eine neue Offenheit für Kunst und Kultur." Auch habe Kreisky vor dem Hintergrund des Kalten Krieges überall Brücken gebaut. "Sein Engagement im Nahen Osten war immer von der Vision des Dialogs und der Verständigung zwischen Israel und der arabischen Welt geprägt. Er hat viele - auch spektakuläre - Begegnungen ermöglicht", so der Bundeskanzler.

Von Kreisky geblieben sei der Auftrag, sein Erbe zu bewahren. Dies gelte vor allem für den Bereich der Bildung. Es habe eine ganz besondere Aufbruchsstimmung geherrscht, führte der Bundeskanzler aus. Kreisky hätte die Unis für alle geöffnet. Er habe soziale Barrieren abgebaut - etwa durch den Wegfall der Studiengebühren, die Abschaffung der Aufnahmeprüfung für Gymnasien, die Einführung der Gratis-Schulbücher und die Schülerfreifahrt. "Wir dürfen nicht - 40 Jahre nachdem Bruno Kreisky die Tore für alle weit geöffnet hat -, die Türen wieder zumachen und zusehen, wie sich eine selbst ernannte Elite abspalten will. Im Gegenteil: Im Geiste des großen Bildungsreformers müssen wir heute mehr denn je danach trachten, dass alle jungen Menschen dieselben Chancen haben, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, damit sie ihren Weg gehen, in einer globalisierten Welt - aber nicht alleingelassen von der Gesellschaft, sondern gestützt durch ein starkes soziales Netz. Auch dafür stand Kreisky wie kein anderer. Er wusste: Ohne soziale Balance kein Friede und keine Freiheit, ohne soziale Balance keine moderne Gesellschaft. Kreiskys Erbe zu bewahren heißt deswegen auch, die Solidarität innerhalb unserer Gesellschaft immer wieder neu zu definieren und auch wirklich zu leben", so Faymann.

Felipe Gonzáles machte in seiner Rede kein Hehl daraus, welch große Bedeutung für ihn und seine Entwicklung die Trias von Willy Brandt, Olof Palme und Bruno Kreisky ausgemacht hatte. Zahlreiche Begegnungen, Diskussionen und gemeinsamen Reisen machten für ihn klar: "Bruno Kreisky hat nie vergessen, dass es keine Rechte ohne Pflichten gibt". Er sei ein Mensch gewesen, der sich immer treu bleiben wollte.

In übermittelten Botschaften würdigten anschließend Israels Präsident Schimon Peres und Palästinenser-Führer Mahmud Abbas Kreiskys frühe Vermittlerrolle im Nahostkonflikt. Präsident Peres verwies in seinem Brief darauf, dass Kreisky in der Welt seine Spuren hinterlassen habe. "Auf der internationalen Bühne fungierte er, zuweilen umstritten, als Staatsmann und Visionär". Oftmals seiner Zeit voraus, sei sein Wunsch, einen arabisch-israelischen Dialog einzuleiten, ganz oben auf seiner Prioritätenliste gestanden. "Er war der Vorreiter der Förderung des Dialogs zwischen Palästinensern und Israelis und ein Pionier in den Bemühungen, den Konflikt zwischen den beiden zu beenden", würdigte auch Abbas in der Videobotschaft die Rolle Bruno Kreiskys. "Er wird all jenen in Erinnerung bleiben, die an menschliche Werte glauben."

Zwei Kurzfilme beleuchteten Leben und Wirken des ehemaligen Bundeskanzlers: Helene Maimanns Dokumentation "Bruno Kreisky" und die Interviewsammlung "Bruno Kreisky - Wegbegleiter 1911 bis 2011", in der Politiker wie Franz Vranitzky, Josef Taus oder Freda Meissner-Blau und Journalisten wie Gerd Bacher oder Thomas Chorherr zu Wort kamen.

Burgschauspielerin Elisabeth Orth las aus der politischen Abschiedsrede des scheidenden Kanzlers im Nationalrat im September 1983 und aus Bruno Kreiskys Memoiren.

In einer sehr persönlichen Rede hielt schließlich Bundespräsident Heinz Fischer, selbst ein langjähriger Wegbegleiter Bruno Kreiskys, Rückschau auf Leben und politisches Wirken des Staatsmannes. "Die Ära Kreisky war eine Zeit großer Reformen, eine Zeit der Modernisierung und Liberalisierung, eine Zeit der Demokratisierung und der Öffnung", sagte Fischer. "Er hat an der Geschichte Österreichs in der Zweiten Republik mitgeschrieben", so der Bundespräsident.

Die Feierstunde im Redoutensaal wurde von Barbara Rett moderiert und vom Aron Quartett musikalisch umrahmt.

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