"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Job statt Engagement"

Das Ehrenamt in Österreich läuft gerade Gefahr, zu Tode administriert zu werden.

Wien (OTS) - Ist das nicht ein wenig bizarr? Ausgerechnet im
"Jahr der Freiwilligen" macht die österreichische Regierung einen kräftigen Anlauf, um freiwilliges soziales Engagement in einen Nullachtfünfzehn-Job mit Kollektivvertrag, Sozialpartner-Sanktus und 14 Gehältern umzuwandeln. Der österreichische Weg halt. Geht es nach den Plänen von Sozialminister Rudolf Hundstorfer, dann werden Jugendliche künftig für das freiwillige soziale Jahr fast doppelt so viel wie die Mindestsicherung erhalten.
Schaut so eine Bürgergesellschaft aus? Entwertet das nicht das Engagement vieler Österreicher (junger und alter), die schon bisher ihre Arbeitskraft - allerdings weitgehend unentgeltlich, wie etwa für die KURIER-Lernhäuser - zur Verfügung gestellt haben? Werden Senioren nicht künftig dasselbe ehrenamtliche Gehalt einfordern? Mit 1300 Euro werden junge Freiwillige fast so viel wie ausgebildete Hilfskräfte im Gesundheitsbereich verdienen. Damit lässt sich bequem in eine Branche hineinschnuppern, sowie eine arbeits- und orientierungslose Phase überbrücken. Aber: Mit sozialem Engagement hat das nur mehr am Rande zu tun. Und die Kosten dafür sind in Wahrheit nicht kalkulierbar.

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