Wlodkowski: EU darf nun Schweinebauern nicht im Regen stehen lassen

Bauernvertretung verlangt sofortige Eröffnung der Privaten Lagerhaltung der EU

Wien (OTS) - "Die Negativfolgen des Dioxinskandals in Deutschland drohen nun auch die Schweinepreise in den angrenzenden Staaten zu gefährden. Damit die Bauern in jenen Ländern, wie Österreich, nicht im Regen stehen bleiben, muss die EU sofort die Private Lagerhaltung eröffnen, um Druck aus den Märkten zu nehmen", verlangte Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich, von der Europäischen Kommission im Rahmen der Grünen Woche in Berlin vor Journalisten. "An die Verarbeiter und den Handel in Österreich appellieren wir, nicht jener 'Geiz-ist-geil'-Mentalität, die ja letztlich solche Skandale begünstigt, nachzugeben, indem sie jetzt auf billiges deutsches Fleisch setzen. Denn auf Dauer kann beste Qualität unter höchsten Auflagen nicht zum Diskontpreis erzeugt werden."

EU: In neuer GAP vorsorgen

"Die Gemeinsame Agrarpolitik muss in Zukunft dreierlei sicherstellen: Zum einen hat sie dafür Sorge zu tragen, dass die Landwirtschaft ihren gerechten Anteil an der Lebensmittelkette erhält. Jetzt kommt nämlich nur ein Bruchteil des Einzelhandelspreises bei den Landwirten an. Der Weg dazu geht unter anderem über eine Stärkung der Erzeugerorganisationen und deren vertragliche Stellung, wozu auch das Wettbewerbsrecht angepasst werden müsste. Zum zweiten müssen auch in Zukunft die bestehenden Marktordnungsinstrumente wie Intervention, Private Lagerhaltung und Außenschutz zum Abfedern extremer Marktverwerfungen wirksam bleiben. Und drittens darf nicht durch zusätzliche Auflagen und Vorschriften, Stichwort: Greening der 1. Säule, die Produktion verteuert werden. Da das alles nur ein ausreichend dotiertes EU-Agrarbudget leisten kann, erteilt die bäuerliche Interessenvertretung sämtlichen Kürzungsideen, stammen sie von Nettozahlerländern beziehungsweise von nicht-agrarischen Interessenvertretungen oder Parteien, eine klare Absage", so Wlodkowski weiter.

Bauern stärken Kaufkraft

Jüngste Zahlen des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) zeigten, dass die Bauern seit Jahrzehnten die Kaufkraft der Konsumenten stärken. So habe ein Industriearbeiter 1980 noch 92,7 Minuten arbeiten müssen, um sich ein Kilogramm Schweinsschnitzelfleisch kaufen zu können, im November 2010 seien dies nur noch 35,2 Minuten gewesen. Bei einem Liter Vollmilch sei sein Aufwand von 8,8 auf 3,5 Minuten, bei Teebutter von 17 auf 6,3 Minuten und bei Zucker von 10,8 auf 3,5 Minuten gesunken. Selbst bei Wein sei sein Aufwand von 33,4 auf 11,1 Minuten gesunken.

Insgesamt seien die Nahrungsmittel in diesem Zeitraum um 48,5% teurer geworden und somit deutlich unter der Inflation von 66,6 Prozent gelegen. Dem gegenüber stehe ein Zuwachs beim Tariflohn in der Höhe von beachtlichen 109,3%. Seit 1986 seien hingegen die Kosten für die Bauern um 39,6% angestiegen, während die Erlöse aus dem Produktverkauf inklusive der Förderungen um nur 8,7% äußerst mäßig zugenommen hätten.

"Diese Daten beweisen, dass die Landwirtschaft zu einer der produktivsten Branchen gehört, die durch verbesserte Effektivität und technischen Fortschritt, aber auch durch enormen Fleiß und persönlichen Verzicht politisch gewollte Agrarpreissenkungen zu kompensieren versucht hat und dass diese Erfolge durch Jahrzehnte der Verarbeitung, dem Handel und letztlich auch dem Konsumenten zugute gekommen sind", erläuterte Wlodkowski, der jedoch davor warnte, zu glauben, man könne "die Schraube immer weiter andrehen". Wlodkowski:
"Das Ende dieser Entwicklung bildet die Entscheidung, ob die bäuerliche Landwirtschaft in Zukunft bestehen kann oder ob die Produktion von Lebensmitteln auf breiter Basis industrialisiert wird. Wer weiter eine Landwirtschaft will, die von Bauernfamilien nachhaltig betrieben wird, muss wissen, dass dies nicht zum Nulltarif möglich ist. Wer der Landwirtschaft jedoch die Ausgleichszahlungen streichen will, dem muss klar sein, dass er damit flächendeckend eine industrialisierte Landwirtschaft bekommt."

Chance für Dritte Welt

"Kostendeckende Preise sind in der Landwirtschaft weltweit die Voraussetzung, die Produktion mittelfristig absichern und auf den jeweiligen Märkten bestehen zu können. Von einer maßvollen Entwicklung der Preise bei agrarischen Rohstoffen profitiert letztlich nicht nur die Landwirtschaft in den industrialisierten Ländern, sondern sie bietet auch Chancen für die Landwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern. Denn dadurch werden der Ankauf von Maschinen und Betriebsmitteln ermöglicht, die Landflucht gestoppt und der Aufbau beziehungsweise die Sicherung einer eigenen Agrarproduktion attraktiv gemacht. Dies wiederum ist die Grundvoraussetzung dafür, das Hungerproblem nachhaltig lösen zu können", so Wlodkowski.
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