Grillitsch: GAP bietet Schutz vor Industriealisierung und Sklaverei

Heimischer Qualität die Treue halten - Attacken der AK kontraproduktiv

Berlin/Wien (OTS) - "Immer billiger bis zum Industrie-Fett im
Futter - das sind gefährliche Auswüchse der Industrialisierung. In Österreich setzen wir uns für durchgängige Transparenz bei der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln ein", zog Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch laut einer Aussendung bei der Grünen Woche in Berlin Lehren aus dem deutschen Dioxin-Skandal. "Der Futtermittel-Skandal löst Riesen-Verunsicherung beim Konsumenten aus, die nicht nach Österreich herüberschwappen darf. Das österreichische Qualitätsfleisch ist 100%ig sicher und kontrolliert, insbesondere das Premium-Segment, mit dem AMA-Gütesiegel hat der Konsument volle Sicherheit", appellierte Grillitsch an die österreichischen Konsumenten, dem heimischen Fleisch die Treue zu halten und verstärkt auf die Herkunft statt auf den Preis zu schauen.

Dieser Appell, sich zu österreichischer Qualität zu bekennen, richte sich aber genauso an die fleischverarbeitende Industrie und die Gastronomie. "Die Preise für Schweinefleisch sind momentan im Sinkflug wegen des Überangebotes in Deutschland. Zurzeit droht die Preiskeule speziell die heimischen Schweinebauern zu treffen, die ihr Fleisch kaum zu Gestehungskosten schlachten können", warnte Grillitsch vor einer drohenden Billig-Preisschlacht von Schlachthöfen und Großfleischereien. "Österreich könnte sich bei Schweinefleisch zu 100% selbst versorgen. Unsere österreichischen Produzenten garantieren Spitzenqualitäten, produziert nach höchsten Tierschutz-Standards und eigenen Fütterungskreisläufen", erinnerte Grillitsch an die höchsten Lebensmittelstandards der EU.

Deklarierte Rohstoffherkunft unterstreicht bäuerliche Qualität

Die aktuell in der EU diskutierte "place of farming"-Kennzeichnung könnte den österreichischen Qualitätsproduzenten Auftrieb verschaffen. "Wo Österreich draufsteht, muss Österreich drin sein -auch bei verarbeiteten Produkten. Der Konsument will lückenlos informiert werden", stellte Grillitsch fest. Zugleich komme der heimischen Landwirtschaft eine nachvollziehbare Kennzeichnung nur entgegen.

"Die Zeit ist jetzt europaweit reif, eine Herkunftskennzeichnung beim Fleisch durchzusetzen. Wir setzen uns über das EU-Parlament dafür ein, dass zweifelhafte Produktaufschriften oder Herkunftsangaben in der EU zu unterbinden sind", will der Bauernbund-Präsident Druck auf die EU-Kommission ausüben.

Transparenz verlangte Grillitsch aber auch bei den Handelsmargen -insbesondere bei Milch, genauso aber im Fleischbereich. Seit 2009 versuche die EU-Kommission vergeblich den Markt zu durchleuchten. "Offenbar tut sich auch die EU schwer, herauszufinden, wer die Margen für Milch und Milchprodukte kassiert. Solange nicht nachvollziehbar ist, wer verdient und was ein Produkt wert ist, dreht sich die Billig-Spirale nach unten - zum Schaden einer bäuerlichen Qualitätslandwirtschaft", argumentierte Grillitsch an mehr Bewusstsein für den Wert der Lebensmittel, statt Spekulation auf Nahrung.

Attacken auf Landwirtschaft gefährden Versorgungssicherheit

"Agrarpolitik muss als moderne Gesellschaftspolitik verstanden werden", so Grillitsch. Nur durch langfristig verstandene Verantwortung ließen sich Versorgungssicherheit und Lebensmittelsicherheit garantieren. Angesichts zunehmender Verknappung seien dies die Schlüsselfragen moderner Gesellschaften. "Qualität aus bäuerlicher Landwirtschaft statt Industrieproduktion hat ihren ganz eigenen Wert, der sich in der steigenden Sehnsucht des Konsumenten nach regionalen Lebensmitteln zeigt. In Zeiten von norddeutschen Lebensmittelskandalen und weltweiter Nahrungsmittelknappheit ist es paradox, wenn Arbeiterkammern und Gewerkschaften Gelder für die heimische Landwirtschaft kürzen wollen", warnte der Bauernbund-Präsident. "Die AK kann nicht auf Konsumentenschutz machen und gleichzeitig die Landwirtschaft knebeln. Schließlich sind es die Bäuerinnen und Bauern, die den Konsumenten den Tisch mit hochqualitativen Lebensmitteln decken", zeigte Grillitsch einen Widerspruch auf. Im Hinblick auf die kommenden GAP-Verhandlungen habe die AK gefordert, dass Direktzahlungen und Mittel für Marktinterventionen, die Preise für Qualitätsprodukte stützen, abgeschafft werden sollten. Konkret sollten EUR 700 Mio. Agrar-Direktzahlungen eingestellt werden, 25% der Mittel für die Ländliche Entwicklung umgeschichtet und die Kompetenz für Umwelt- und Qualitätsprogramme der Ländlichen Entwicklung an das Bundeskanzleramt übertragen werden.

GAP schützt vor Industrialisierung

"Wo sich die Preisspirale gnadenlos nach unten dreht, bleibt am Ende nur noch Industrie-Nahrung von Mega-Konzernen übrig, die sich kaum um Tierschutz- und Arbeitsmindeststandards scheren. Ohne öffentliche Gelder können 70.000 Betriebe von heute auf morgen zusperren - das ist in Österreich jeder zweite Bauernhof. Insgesamt sind davon 100.000 Arbeitsplätze betroffen. Offenbar hat ausgerechnet die AK kein Interesse an stabilen bäuerlichen Strukturen, die Österreich prägen, genausowenig wie am Erhalt von Jobs oder Wertschöpfung am Land. Die AK-Ausritte führen geradewegs in industrialisierte Landwirtschaft mit Sklavenarbeit", mahnte Grillitsch.

Was für die kommenden GAP-Verhandlungen dringend gebraucht werde, sei hingegen Solidarität und Zusammenarbeit auf nationaler und europäischer Ebene. "Zusammenhalt ist das Nonplusultra zur Sicherung der GAP-Mittel. Nur durch sehr enge Abstimmung in Österreich, insbesondere mit der Bundesregierung aber auch durch Verbündete in den wichtigsten EU-Nettozahlerstaaten Deutschland und Frankreich, haben wir einen Garant für ein zufriedenstellendes, die bäuerliche Wirtschaftsweise sicherndes Verhandlungsergebnis", meinte Bauernbund-Präsident Grillitsch abschließend.
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