AIFM und Basel III - Bremse oder Turbo für den europäischen Finanzmarkt?

Gemeinsam mit Mag. Othmar Karas diskutierten Experten am 20. Jänner 2011 bei Deloitte über die Auswirkungen von AIFM und Basel III für die europäische Finanzindustrie.

Wien (OTS) - "AIFM" (Alternative Investment Fund Managers Richtlinie) und "Basel III" bringen wesentliche Veränderungen für den europäischen Finanzmarkt mit sich und werden die Zukunft der Financial Services Industry nachhaltig verändern. Die Herausforderungen für europäische Banken, Asset Manager und die Finanzmarktaufsicht erörterte Mag. Othmar Karas, Mitglied des Europäischen Parlaments und Rapporteur für Basel III: "Basel III ist für Europa ein weiterer richtiger Schritt aus der Krise, die Regulierungslücken aufgezeigt hat, besonders bei der Liquidität. Nun gilt es eine für Europa passende Regulierung ohne Wettbewerbsnachteile zu finden. Speziell bei der Kapitaldefinition gilt es adäquat den Unterschied zwischen der typisch europäischen Retail- und der traditionellen amerikanischen Investmentbank zu berücksichtigen."

Die Herausforderung liegt in der Umsetzung

Für die heimische Finanzindustrie bedeuten die neuen Rahmenbedingungen aber vor allem eines: signifikante rechtliche Veränderungen, die neue Geschäftsmodelle erfordern können. Schon jetzt greifen Vorläufer von Basel III massiv in die derzeitige österreichische Gesetzeslage ein. "Mit der neuen Bankenvergütung und den neuen Regelungen zu Großveranlagungen sowie Hybridkapital, die ja schon seit dem 1.1.2011 in Kraft getreten sind, stehen Banken bereits derzeit vor großen Herausforderungen. Die Grundidee ist mit Sicherheit eine richtige, in unserer Beratung sehen wir jedoch, dass die Forderungen in ihrer Summe die Rentabilität und das Geschäftsmodell von Banken wohl nachhaltig beeinflussen werden", brachte MMag. Dominik Damm, Experte bei Deloitte, das Problem auf den Punkt.

Doch nicht nur Banken, auch die Investment und Asset Management Industrie stehen vor großen Veränderungen, wie Dr. Armin Kammel, Head of Legal & International Affairs bei der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) kritisch ausführte: "Die AIFM-Richtlinie bedingt nicht nur dogmatisch, sondern auch strukturell einen völlig neuen Rahmen in der europäischen Regulierung von großteils bis dato nicht regulierten Fondskonstruktionen. Die Komplexität des Regelungskreises sowie die Konsistenz mit bestehenden regulatorischen Regimen, wie etwa UCITS, MiFID, aber auch dem Basel-Rahmenwerk, wird ebenso den nachhaltigen Erfolg der AIFM-Richtlinie determinieren, wie die weitere Präzisierung der im letzten Jahr beschlossenen Rahmenrichtline, insbesondere auf Level II. Sollte dies nicht gelingen, ist leider ein kolossales Scheitern dieses europäischen Regulierungsansatzes zu befürchten."

Zu knapper Zeitplan?

Lange hat die Finanzindustrie allerdings nicht mehr Zeit. Basel III wurde im Dezember 2010 finalisiert, die AIFM-Richtlinie soll bereits Anfang 2013 in Österreich zur Anwendung gelangen. "Ich bin in ständigem Kontakt mit der Europäischen Kommission, die im Juni ihren Entwurf für die CRD IV abgeben wird. Dann beginnen die Legislativverhandlungen von Rat und Europäischem Parlament", bestätigte Mag. Othmar Karas. Kritisch stehen Experten vor allem der nationalen Umsetzung dieses ambitionierten Plans gegenüber. Grundtenor der Veranstaltung: Für AIFM und Basel III gilt es, Standards zu erarbeiten, die nachhaltiges Wirtschaften fördern und Risikominimierung sowie Transparenz in der Finanzindustrie bewirken, ohne jedoch eine gesetzliche Schieflage oder gar eine Benachteiligung der europäischen Finanzindustrie herbeizuführen.

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