- 21.01.2011, 09:00:16
- /
- OTS0021 OTW0021
Kräftige Erholung der Weltwirtschaft
Mittelfristige Prognose bis 2015
Wien (OTS/WIFO) - Mitte 2009 kam der stärkste Wirtschaftseinbruch
seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre zum Stillstand. In
erster Linie als Folge einer stark expansiven Geld- und Fiskalpolitik
verbesserte sich die Weltkonjunktur seither. Diese Impulse konnten
aber in den Industrieländern noch keinen selbsttragenden Aufschwung
auslösen. Dafür sind insbesondere die Verschlechterung der
Staatsfinanzen in einzelnen Euro-Ländern (Griechenland, Irland) und
der sprunghafte Anstieg der Anleihezinssätze dieser Länder maßgebend,
aber auch die weltweiten Leistungsbilanzungleichgewichte,
insbesondere das Defizit der USA und der Überschuss von China, sowie
der neuerliche Anstieg der Rohstoffpreise.
Die Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft wird wesentlich davon
abhängen, wie diese Entwicklungen weiter verlaufen. Für die
europäische Wirtschaft ist die Bewältigung der Schuldenkrise von
besonderer Bedeutung. Nach Ausbruch der Finanzmarktkrise endete
nämlich die fast 10-jährige Phase weitgehend einheitlicher Zinssätze
für Staatsanleihen im Euro-Raum, die Unterschiede nach Ländern nahmen
immer mehr zu. Dieser Prozess wurde durch die Wechselwirkung zwischen
dem Markt für Staatsanleihen und für "credit default swaps" (CDS)
verstärkt. Mit diesem Derivat können Finanzinvestoren auf einen
Staatsbankrott spekulieren, indem sie sich gegen eine Prämie die
Bedienung von Staatsanleihen versichern lassen. Diese CDS-Geschäfte
bieten in einer akuten Krise große Gewinnmöglichkeiten, ihre Nutzung
treibt allerdings gleichzeitig das Zinsniveau des attackierten Landes
in die Höhe.
Die Bemühungen der Politik, einen weiteren, massiven Zinsanstieg
in Portugal, Spanien oder Italien zu verhindern, werden erschwert,
weil einerseits die Finanzkrise "echte" Probleme geschaffen bzw.
offenkundig gemacht hat (etwa die geringe Konkurrenzfähigkeit der
portugiesischen Wirtschaft oder die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien)
und andererseits die Finanzinvestoren ja lediglich ihrem
Gewinnstreben im Rahmen der herrschenden "Spielregeln" folgen.
Die Beschlüsse des Europäischen Rates vom Dezember 2010 spiegeln
diese Problematik wider. Durch Umwandlung der "European Financial
Stability Facility" ("Euro-Schutzschirm") in einen permanenten
"European Stability Mechanism" soll ein klares Signal gesetzt werden,
dass die EU ihre Mitgliedsländer vor spekulativen Attacken schützen
wird. Gleichzeitig werden aber die Möglichkeiten der
Finanzinvestoren, auf eine weitere Verschlechterung der
Staatsfinanzen in Portugal oder Spanien zu spekulieren (wie es 2010
wie im Fall von Griechenland oder Irland geschah), in keiner Weise
eingeschränkt.
Übersicht 1: Entwicklung der Weltwirtschaft - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)
Dieses Dilemma dürfte die Wirtschaft im Euro-Raum auch in den
kommenden Jahren beeinträchtigen. Die vorliegende Prognose nimmt
deshalb an, dass sich der Wechselkurs des Euro bis 2012 auf 1,20 $
abschwächen wird. Die dämpfenden Effekte der Euro-Krise würden
demnach zunächst stärker ausfallen als die den Dollar schwächenden
Effekte der Auslandsverschuldung der USA. Je öfter sich allerdings
spekulative Attacken auf einzelne Euro-Staaten wiederholen, desto
gründlicher werden die Gegenmaßnahmen der EU ausfallen. Mit
Inkrafttreten des "European Stability Mechanism" im Jahr 2013 sollte
sich daher der Wechselkurs des Euro erholen (bis 2015 auf 1,35 $).
Seit Mitte 2010 stiegen die Rohstoffpreise um etwa 25%.
Entsprechend dem mittel- und längerfristigen Trend verteuerte sich
Erdöl überdurchschnittlich (Anfang Juli 72 $ je Barrel der Marke
Brent, Ende Dezember 2010 94 $). Die Prognose nimmt an, dass sich
Rohstoffe weiterhin stärker verteuern als Industriewaren, allerdings
dürfte die Differenz schrumpfen. Gleichzeitig sollten die Erdölpreise
bis 2015 merklich stärker anziehen als jene der anderen Rohstoffe
(+6,1% pro Jahr gegenüber +3,7% pro Jahr). Nicht zuletzt als Folge
zunehmender Konkurrenz auf dem Weltmarkt sowie steigender
Produktionskapazitäten dürften die Industriewarenpreise kaum steigen
(+0,5% pro Jahr).
Übersicht 1 fasst die wichtigsten Prognoseergebnisse zusammen. Der
Welthandel dürfte zwischen 2010 und 2015 um 7 1/2% pro Jahr wachsen,
merklich rascher als im Durchschnitt des letzten Jahrzehnts.
Besonders kräftig wird sich der Außenhandel der Industrieländer
beleben, ihre Exporte und Importe sollten um 7% pro Jahr expandieren.
Die Exporte der USA werden stärker zunehmen als ihre Importe, Länder
mit hohem Leistungsbilanzüberschuss wie Deutschland, China, Russland
und die OPEC-Länder werden hingegen ihre Importe stärker ausweiten
als ihre Exporte. Dementsprechend sollten sich die
Leistungsbilanzungleichgewichte bis 2015 deutlich verringern.
Die Weltproduktion wird sich ab 2012 merklich erholen und
mittelfristig um 4,5% pro Jahr wachsen. In den Industrieländern wird
die Dynamik wesentlich geringer ausfallen (+2,4% pro Jahr). In den
USA wird die Gesamtproduktion weiterhin rascher expandieren (+2,7%
pro Jahr) als im Euro-Raum und in Japan (jeweils +1,9% pro Jahr). In
den sechs großen neuen EU-Ländern sollte die Dynamik mit +3,7% pro
Jahr erheblich höher sein als im EU-Durchschnitt (+2,2% pro Jahr).
China und Indien werden weiterhin das höchste Wirtschaftswachstum
realisieren (+8,9% bzw. +8,6% pro Jahr). In den anderen Entwicklungs-
und Schwellenländer dürfte das BIP bis 2015 um etwa 5% pro Jahr
zunehmen.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
1/2011
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=41149&typeid=8&
display_mode=2).
Rückfragehinweis:
Dr. Stephan Schulmeister
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-242 * Fax. +43 1 798 93 86
mailto:[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO






