Bünker, Kampits und Wagner fordern flächendeckende Einführung des Ethikunterrichts

Schulversuch sollte ins Regelschulwesen übergeführt werden - Angebot speziell für SchülerInnen ohne religiöses Bekenntnis

Wien (OTS/epdÖ) - "Die flächendeckende Einführung eines Ethikunterrichts in der Sekundarstufe 2 des Regelschulwesens" forderte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker auf einer Pressekonferenz am 19. Jänner in Wien. Bünker verwies darauf, dass in Österreich immer mehr Menschen ohne religiöses Bekenntnis lebten. Auch solche SchülerInnen benötigten eine verpflichtende Ausbildung in religiösen und ethischen Fragen. Wie Bünker hervorhob, könne es dabei nicht um eine Wahlmöglichkeit zwischen dem konfessionellen Religionsunterricht und einem Ethikunterricht gehen, sondern um ein Angebot speziell an SchülerInnen ohne religiöses Bekenntnis.

Der Bischof, der vor den Journalisten betonte: "Wir sitzen hier auf Initiative der AbsolventInnen der Ethik-Lehrgänge an den Pädagogischen Hochschulen und an der Universität Wien" bedauerte, dass die Fragen nach einem sachgemäßen Lehrplan für den Ethikunterricht und nach den personellen Ressourcen derzeit nicht geklärt seien. "Das kann nicht der richtige Umgang mit einem Fach sein, das in der Verfassung verankert ist", kritisierte Bünker die staatlichen Stellen.

Wie der Alt-Dekan der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft an der Universität Wien, Peter Kampits, unterstrich, sei es wichtig, dass bei der ethischen Bildung der Bevölkerung ohne religiöses Bekenntnis "kein Vakuum" entstehe. Kampits plädierte auf der Pressekonferenz für eine "solide und gediegene Ausbildung" im Fach Ethik an den Hochschulen und an der Universität Wien. Es sei "betrüblich", dass Zusagen von der Politik, den Schulversuch Ethik in das Regelschulwesen zu überführen, nicht eingehalten worden seien. Kampits sprach sich allerdings dagegen aus, dass ReligionslehrerInnen das Fach Ethik unterrichten sollten. Obwohl beide vieles gemeinsam hätten, sei philosophische Ethik im Unterschied zu religiöser Ethik "rational begründet".

Dass der Ethikunterricht zum Religionsunterricht "nicht wirklich eine Alternative" sein könne, betonte der Rektor der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems (KPH), Michael Wagner, bei der Pressekonferenz. Für die KPH handle es sich um ein "schwieriges Thema", allerdings sehe seine Hochschule auch die Verantwortung, SchülerInnen ohne religiöses Bekenntnis "gesellschaftliche und kulturelle Werte" zu vermitteln. Wagner äußerte die Überzeugung, der Ethikunterricht werde den konfessionellen Religionsunterricht "stärken". Der Lehrgang Ethik, den die KPH zusammen mit der Philosophischen Fakultät der Universität Wien angeboten habe, habe "unglaublich positive Rückmeldungen" erfahren.

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