Medizinische Versorgung in Österreich für alle gleich zugänglich

Keine Hinweise auf Zwei-Klassenmedizin in Bezug auf ärztliche Behandlung vorhanden

Wien (OTS) - "Eine Zwei-Klassen-Medizin, bei der die Qualität oder Güte der medizinischen Versorgung von der sozialen Schicht, vom Versichertenstatus, vom Einkommen oder Vermögen der Patientinnen und Patienten abhängt gibt es in Österreich nicht", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer. "Alle Menschen werden in Österreich nach den gleichen Richtlinien behandelt", so der Ärztekammerpräsident. Er verweist auf die Endoprothetik in der Orthopädie: "Alle Versicherten, egal bei welcher Versicherung oder mit welcher Zusatzversicherung erhalten die gleichen Implantate. Wenn ein Schwerverletzter nach einem Unfall behandelt wird, erhält er unabhängig vom Versicherungsstatus eine Behandlung nach höchsten medizinischen Ansprüchen."

Anders in Ländern mit Zwei- oder Mehrklassenmedizin, beispielsweise den USA: Dort muss erst die Bezahlung sichergestellt werden, dann folgt die Behandlung. Präsident Dr. Reisner vergleicht das System der Sonderklasseversicherungen in Österreich mit Bahnreisen: "Wenn man erster Klasse reisen kann, hat man es bequemer, aber die "Leistung" der Reise von einem Ort zum anderen ist identisch mit der Leistung, die allen anderen Fahrgästen auch zugute kommt."

Zwitl.: Ärztekammerpräsident spricht sich für Transparenz aus

Gleiches gilt im Krankenhaus. Kleinere Zimmer, freie Arztwahl, bessere Speisenauswahl, mehr Service, möglicherweise auch bessere Logistik und dadurch kürzere Wartezeiten auf Termine. "All dies sind jedoch Randfaktoren und haben mit der eigentlichen Behandlung nichts zu tun." Präsident Dr. Reisner spricht sich in diesem Zusammenhang für Transparenz im Gesundheitswesen aus: "Ich habe überhaupt nichts gegen Transparenz. Nur Abläufe im öffentlichen System im Bereich der Gesundheit der Ärzteschaft anzulasten, dagegen verwehre ich mich. Wenn Transparenz, dann erwarte ich auch Transparenz bei der Vergabe von leitenden Stellen im öffentlichen Bereich oder Transparenz bei Amtsvorgängen."

Wahlärzte und Kassenärzte arbeiten aus seiner Sicht in Österreich hervorragend zusammen. "Der Patient hat die Wahl, im öffentlichen System mit geringen finanziellen Beiträgen hervorragend medizinisch versorgt zu werden. Wenn er damit in einzelnen Bereichen persönlich unzufrieden ist, hat er eine Ausweichmöglichkeit. Dies als Nachteil darzustellen erscheint mir geradezu absurd." Natürlich gibt es auch Patientinnen und Patienten, die sich mit Vorwürfen ungleicher Behandlung an die Beschwerdestelle der Ärztekammer richten. "Bei Millionen von Arzt-Patientenkontakten ist das für mich völlig normal. Wir nehmen Kritik jedoch ernst und verfolgen alle Hinweise auf Benachteiligung von Patientinnen und Patienten.

Zwitl.: Systemprobleme sind von der Politik verursacht

Besonders grotesk ist aus Sicht von Präsident Dr. Reisner, dass sich Politikerinnen und Politiker des Öfteren kritisch zur angeblich vorhandenen Zwei-Klassenmedizin äußern. "Das System und die Rahmenbedingungen zu ändern liegt ausschließlich an der Politik. Ärztinnen und Ärzte bewegen sich im Rahmen der Vorgaben, speziell Kassenärztinnen und Kassenärzte müssen sich in einem sehr engen Korsett bewegen, um wirtschaftlich als auch medizinisch erfolgreich sein und gleichzeitig den Vorgaben der Sozialversicherungen entsprechen zu können."

Aus seiner Sicht geht die allgemeine Richtung der von den Politikerinnen und Politikern zu verantwortende Gesundheitspolitik in eine Reduzierung des Angebots an medizinischen Leistungen. "Unmittelbar damit verbunden sind immer Vorwürfe an die Ärzteschaft, sie seien zu selten erreichbar, arbeiten zu wenig und die Wartezeiten seien zu lang." Das dies jedoch nicht an der Arbeitsbereitschaft der Ärztinnen und Ärzte liegt, sondern an den Vorgaben des Systems ist für Präsident Dr. Reisner offensichtlich. "Wenn von Politikerinnen und Politikern von Korruption gesprochen wird, sollten sie zunächst in den eigenen Reihen suchen. Das Versagen der Politik soll offenbar gezielt der Ärzteschaft angelastet werden."

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