"Kleine Zeitung" Kommentar: "Dauer-Notstand an Unis geht in die Verlängerung" (Von Carina Kerschbaumer)

Ausgabe vom 19.01.2011

Graz (OTS) - Der Aufschrei der Studenten war programmiert. Selbst wenn die Einigung von Wissenschaftsministerin Karl und Unterrichtsministerin Schmied keine zahlenmäßige Beschränkung von Studenten in Massenfächern bringen wird. Es wird also weiter mit Ausnahme weniger Fächer wie Medizin jeder Maturant alles studieren können. Mit dem kleinen Unterschied, dass in der Eingangsphase künftig eine Prüfung nur mehr einmal und nicht mehr öfters wiederholt werden kann. Dass die Vorsitzende der ÖH bereits diese Einschränkung als "zukunftspolitischen Griff ins Klo" bezeichnet, mag an Absurdität nicht zu übertreffen sein. Erklärbar ist die Attacke dennoch.
Denn natürlich fürchten Studenten in Massenfächern verstärkte Knock-out Prüfungen auf sich zukommen. Wie soll auch eine Wirtschaftsuniversität, die im Oktober in Wien von 7000 Erstsemestrigen überflutet wurde und Kapazitäten für 1300 Studenten hat, anders agieren. Und natürlich können Studentenvertreter im vorliegenden Kompromiss keine Lösung der Probleme der Unis sehen. Weil sie keine Lösung sein kann, wenn in manchen Fächern bereits 370 Studenten auf einen Professor kommen.
Was steht also hinter dieser Einigung? Da gibt es das vage Versprechen der SPÖ, bis 2014 auch an den Unis zu einer Studienplatzfinanzierung mit dann beschränkter Studentenzahl überzugehen. Der Vorbehalt von Schmied, hier nicht aus der "Haltung der Knappheit" agieren zu wollen, zwingt aber bereits zur Frage, wie realistisch eine Lösung im Wahljahr 2013 und danach sein wird.
Bei dieser Minimal-Einigung geht es also zunächst einmal um das Vertagen von Lösungen und um eine Notwehraktion. Auch aus der Angst heraus, dass durch die Verkürzung der Schulpflicht in Deutschland und den Wegfall der Wehrpflicht die Universitäten 2011/2012 noch stärker von deutschen Studenten überrannt werden. Und es geht darum, den Unis zu helfen, die begrenzten Kapazitäten effizienter einzusetzen und nicht dafür, dass Studenten dreimal Prüfungen wiederholen können. Eine Notwehrmaßnahme, die der kleinste gemeinsame Nenner ist, den Karl und Schmied als Übergangsmaßnahme bis 2014 finden konnten. Denn Ehrlichkeit und Mut für eine große Lösung dürften in der SPÖ immer noch fehlen. Da wird weiter eisern am freien Hochschulzugang festgehalten. Selbst wenn sich der freie Zugang in der Praxis längst selbst torpediert - durch fehlende Personal-Kapazitäten, überfüllte Hörsäle, unzumutbare Studienbedingungen.****

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