WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Vielleicht wird Apple jetzt ein wenig normaler - von Wolfgang Unterhuber

Mit Apple macht man sich die Technik untertan

Wien (OTS) - In früheren Zeiten war es der Gesundheitszustand des Papstes, der die Weltöffentlichkeit in Atem hielt. Heute ist es der von Steve Jobs. Zu Wochenbeginn musste der Apple-Chef, der seit 2004 an den Folgen einer Krebserkrankung leidet, die operative Führung des Konzerns aus der Hand geben. Für eine kurze Zeit schien die digitale Welt stillzustehen, an der Börse rutschte das Unternehmen kräftig nach unten. Denn Apple ist kein normales Unternehmen. Steve Jobs ist für seine Anhänger ein Außerirdischer. "His Steveness" oder "iGod" nennen sie ihn. Jobs ist diese Vergöttlichung nicht passiert. Er hat sie selbst inszeniert. Alles bei Apple ist auf seine Person zugeschnitten. Seine Produktpräsentationen sind eine Mischung aus Parteitag und religiöser Weihestunde, die seine Fan-Gemeinde rund um den Globus in Trance verfallen lässt.

Die Apple-Story und das Leben des Steve Jobs werden sicher bald neu verfilmt werden. Der Start als Garagenfirma 1976. Die ersten Erfolge, gefolgt von Rückschlägen und öffentlichen Streitereien des Managements. 1985 erlebt Jobs sein berufliches Trauma. Er muss Apple verlassen. Zwölf Jahre später folgt die triumphale Rückkehr. Jobs rettet Apple vor dem Untergang. Mehr noch. Er hievt das Unternehmen in eine andere Dimension. Denn der "iGod" gibt vielen Menschen, was sie ersehnen: Mit Apple macht man sich die Technik untertan und nicht umgekehrt. Kritiker werfen ein, dass der Preis dafür ein hoher sei. Bei Apple sei die Technik wohl der Sklave des Menschen, aber der Mensch könne dafür auch rasch in die Gefangenschaft von Apple geraten (siehe Pro & Contra).

Für Freunde und Feinde von Apple stehen jetzt aber vorerst andere Überlegungen an. Die Frage aller Fragen lautet: Wie weiter? Das ist eben das Dumme, wenn Götter plötzlich hinter einer Nebelbank verschwinden. Tim Cook, der vergangene Nacht die neuesten Zahlen präsentierte, übernimmt jetzt die Führung. Die Nummer zwei ist schon 2004 und 2009 für Jobs eingesprungen. An seiner Qualifikation zweifelt niemand; Analysten streuen ihm Rosen. Wunder kann er keine wirken. Aber vielleicht wird Apple jetzt ein wenig normaler.

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