Anmerkungen zur aktuellen Diskussion um "Plastiksackerln"

Wien (OTS) - Seit jeher zielte die Entwicklung von Kunststoffen darauf ab, ein Material zur Hand zu bekommen, welches neue Möglichkeiten eröffnet, oder das (bei ähnlichen Eigenschaften) günstiger ist als die zuvor vorhandenen Material-Optionen.

Reißfestigkeit und bessere Nässebeständigkeit führten - bei gleichzeitig verringertem Materialbedarf und günstigeren Kosten - zur heutigen Dominanz der Kunststoff-Tragtaschen.

Solche Plastiksackerln bestehen üblicherweise aus Polyethylen (PE).

Der (politische) Kampf gegen Plastiksackerln ist meist ein Protest gegen eine gedankenlose "Wegwerfgesellschaft". Dem Ziel, Gedankenlosigkeit und Ressourcenvergeudung zu bekämpfen, schließen sich die europäischen Kunststoffhersteller gerne an. Doch als Symbol für dieses Ziel ist das Plastiksackerl denkbar ungeeignet.
Der österreichische Konsument / die österreichische Konsumentin ist bewusst und aufgeklärt genug, um an der Supermarktkasse selbst eine verantwortliche Entscheidung zu treffen.

Denn Ängste und scheinbar plausible Behauptungen halten einer Überprüfung nicht stand. Weder ist das Plastiksackerl (aufgrund seiner minimalen Masse) ein "Ressourcenfresser" noch geht irgendeine Gefahr für Mensch und Umwelt davon aus. Vorausgesetzt, es wird - wie in Österreich - über den Restmüll einer sinnvollen energetischen Verwertung zugeführt.

Allerdings, letzteres ist leider nicht in allen Ländern der Erde in gleichem Maß gegeben.

Nutzen, Mehrfachverwendung

Plastiksackerl ist nicht gleich Plastiksackerl.

- Dünne Obst- bzw. Gemüsesackerln (im Fachjargon "Schlauchware") dienen dem Kunden zur Selbstbedienung bei offener Ware und tragen das an der Waage vom Kunden selbst ausgedruckte Preisetikett. Diese ultraleichten, dünnen (typisch 18 Mikrometer) Sackerln sind für den Einmalgebrauch gedacht.

- Zum Heimtransport des gesamten Einkaufs braucht man größere und festere Tragtaschen. Die sind bei uns - anders als in Italien und vielen Schwellenländern - nicht gratis. Daher nimmt sie nur der mit, der sie braucht, weil er kein eigenes Einkaufsbehältnis dabei hat. Derartige Tragetaschen werden im Regelfall mehrfach verwendet -zuletzt meist als Müllsack.

In jedem Fall hat das Plastiksackerl Nutzen und Funktion.

Alternativen

Alle Lebensmittelketten bieten dem Kunden die Auswahl: Papier oder Kunststoff, oftmals auch "Bio-Kunststoff" oder Baumwolle (aus Jute macht man bloß grobe, kratzige Kartoffelsäcke).

Ob ein Sackerl ausreichend reißfest, groß, praktisch und billig ist, kann jeder Kunde leicht selbst beurteilen. Ob es "ökologisch" ist, sieht man am ersten Blick nicht. Auch nicht am zweiten. Denn der Energieaufwand und das durch Produktion und Entsorgung entstehende CO2 sind unsichtbar.

Researcher der Wiener "denkstatt" haben in einer kürzlich veröffentlichten Studie festgestellt, dass im Fall eines (auch nur teilweisen) Ersatzes von Kunststoff-Verpackungen durch Alternativen - der Materialverbrauch auf etwa das 4-fache steigen würde
- der Energieverbrauch im Lebenszyklus (inkl. Erzeugung und Verwertung) um 25 %
- und die Treibhausgasemissionen um 55% ansteigen würden.

Ökologie

Knapp 87 % der Erdölförderung der Welt wird verbrannt (zur Energieerzeugung, für Heizung oder in Motoren). Etwa 4 % der fossilen Ressourcen dienen der Kunststoff-Erzeugung. Der Rest wird von Chemie, Pharma und sonstigen Anwendungen verbraucht.

Wie der KURIER vom 17. Jänner auf Seite 16 berichtet, beträgt
- der Anteil der Plastiksackerln am Kunststoffmüll in Österreich zwischen 1 - 3 Prozent
- der Anteil der Plastiksackerln am Restmüll 1 bis 2 Promille (!)

Solche verschwindend geringen Massenanteile stellen keine ernsthafte Belastung für die Abfallwirtschaft dar. Oft geäußerte Befürchtungen, wir würden im Müll ersticken, lassen sich mit diesen Zahlen nicht begründen. Unser Land verfügt über eines der bestorganisierten Abfallwirtschafts-systeme der Welt, daher werden österreichische Plastiksackerln nicht in der Natur (schon gar nicht in den Meeren) entsorgt.

Statt dessen wird der Heizwert der Kunststoffsackerln in Müllverbrennungsanlagen zu Energie gemacht (Restmüll kommt nie auf die Deponie!). 1 kg Polyethylen (PE) hat etwa den dreifachen Heizwert wie 1 kg Holz oder Papier, bzw. den gleichen Heizwert wie 1 kg Heizöl.

Übrigens: Polyethylen verbrennt rückstandsfrei, d.h. ohne Ruß oder gefährliche Brandgase, zu Kohlensäuregas und Wasser.

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