Präsentation Erster Österreichischer Patientenbericht COPD 2010

Ergebnisse zeigen erstmals die aktuelle Situation sowie Bedürfnisse von COPD-Erkrankten auf:

Wien (OTS) -

  • Rund ein Viertel der Befragten sucht erst zwei Jahre nach Auftreten der Symptome einen Arzt auf
  • 39 Prozent der unter 60-jährigen Befragten beziehen Invaliditätspension
  • 95 Prozent der Befragten haben Interesse an Patientenschulungen

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In Österreich leiden rund eine Million Menschen an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD - Chronic Obstructive Pulmonary Disease). Auf internationaler Ebene zeigen Prognosen, dass COPD an die dritte Stelle der häufigsten Todesursachen vorrücken und im Jahr 2020 die fünftgrößte Krankheitsbelastung darstellen wird. Mehr als drei Viertel der Patienten leiden an Exazerbationen, also an akuten Verschlechterungen des Krankheitsbildes. Diese Schübe können mit einem unwiederbringlichen Verlust an Lungenfunktion einhergehen und erhöhen das Sterblichkeitsrisiko beträchtlich. Um eine Verbesserung der Versorgungssituation von Patienten zu schaffen, wurde die Projektreihe "Österreichischer Patientenbericht" ins Leben gerufen. Die Ergebnisse der Befragung von COPD-Patienten wurden im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert. +++

Ein prominent besetztes Podium diskutierte anlässlich einer Pressekonferenz die Ergebnisse des 1. Österreichischen Patientenberichts COPD 2010 und wie die Versorgung COPD-Erkrankter optimiert werden kann. Der Österreichische Patientenbericht COPD ist eine Patientenbefragung zu den Bedürfnissen und Wünschen der Erkrankten. Die Patientenumfrage wurde im Zeitraum zwischen August 2010 und November 2010 durchgeführt. Österreichweit haben 528 COPD-Patienten teilgenommen, davon waren 58 Prozent der Teilnehmer männlich und 42 Prozent weiblich. 41 Prozent der Teilnehmer waren zwischen 61 und 70 Jahre alt, 29 Prozent über 70. Laut Patientenbericht sind zwar 80 Prozent der Befragten aufgrund ihrer COPD in lungenfachärztlicher Behandlung, der größte Bedarf der Patienten besteht dennoch in Bezug auf Informationen zu Therapieoptionen, zum Krankheitsverlauf und zu Folgeerkrankungen.

COPD - oft erst spät erkannt und unterschätzt

Mehr als 90 Prozent aller COPD-Erkrankungen in Österreich sind auf Tabakkonsum oder das passive Inhalieren von Zigarettenrauch zurückzuführen. Meist zeigen sich die Symptome der COPD erst nach dem 40. Lebensjahr. "Wir rechnen damit, dass bereits heute etwa zehn Prozent der über 40-Jährigen von dieser Erkrankung betroffen sind. Da COPD schleichend beginnt und erst wahrgenommen wird, wenn sie schon großen Schaden angerichtet hat, setzt die Therapie häufig zu spät ein. So zeigt auch der Österreichische Patientenbericht, dass rund ein Viertel der Befragten erst zwei Jahre nach Auftreten der ersten Symptome zum Arzt geht. Erschwert wird die Behandlung dadurch, dass die Patienten in der Regel nicht nur eine obstruktive Lungenerkrankung haben, sondern multimorbid sind", schilderte Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Popp, Leiter des Ambulatoriums "Gesunde Lunge-Institut für Atemwegs- und Lungenerkrankungen" und der 11. Medizinischen Abteilung mit Lungenkrankheiten und Langzeitbeatmungszentrum im Geriatriezentrum Am Wienerwald.

Frühdiagnose beim Allgemeinmediziner, exakte Diagnose und Behandlung eher beim Facharzt

Bei Beschwerden der Atemwege ist der Allgemeinmediziner oft die erste Anlaufstelle für die Betroffenen, erst in weiterer Folge kommt ein Facharzt ins Spiel. 73 Prozent der Umfrage-Teilnehmer erachten eine gute Kooperation zwischen Facharzt und praktischem Arzt daher als wichtig. "Der Allgemeinmediziner als Arzt des Vertrauens ist für eine rechtzeitige Abklärung und Einleitung einer umfassenden Therapie verantwortlich. In weiterer Folge gehört es zu seinem Aufgabenbereich, die Compliance des Patienten durch entsprechende Aufklärung sowie Koordination des therapeutischen Ablaufs zu optimieren", meinte Dr. Erwin Rebhandl, Präsident der Initiative AM Plus und Allgemeinmediziner in Oberösterreich. Dies bestätigte auch Ärztekammer-Präsident MR Dr. Walter Dorner: "Noch nicht diagnostizierte COPD-Patienten kommen eher in eine allgemeinmedizinische Praxis, die Frühdiagnose und Identifizierung von COPD-Erkrankungen gehört also zu den Aufgaben der Allgemeinmediziner. Die exakte Diagnostik und die Behandlung fallen je nach Schweregrad der Erkrankung in allgemeinärztliche, fachärztliche oder stationäre Aufgabenbereiche. Zur optimalen Betreuung der Patienten trägt die Kooperation von Allgemeinmediziner und Facharzt im Sinne einer Langzeitbetreuung wesentlich bei."

Betroffene zeigen verstärktes Interesse an Patientenschulungen

Die Erkrankung COPD verlangt den Betroffenen Selbstkontrolle, Selbstbehandlung und Selbstmanagement ab. "Die Patienten tragen Verantwortung für ihre Erkrankung und um ihre Krankheit managen zu können, müssen sie gut informiert sein. Sich die Medikamente beim Arzt abzuholen und dort die Verantwortung für die Erkrankung abzugeben, reicht nicht aus. Patienten müssen darüber informiert sein, wie sie sich in kritischen Situationen richtig verhalten. Aus diesem Grund muss umfassend informiert und geschult werden", erklärte Otto Spranger, Sprecher der Österreichischen Lungenunion (ÖLU). Die Ergebnisse des Patientenberichts COPD zeigen, dass für fast alle der Befragten (95 Prozent) Patientenschulungen wichtig sind. Neben den Grundzügen der Erkrankung sind vor allem Inhalations- und Atemtechniken für die Betroffenen interessant. Rund zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten wünschen sich Informationen über Therapien und Medikamente sowie über den Krankheitsverlauf und mögliche Folgeerkrankungen von COPD.

COPD-Betroffene beziehen laut Umfrageergebnis Informationen zu ihrer Krankheit überwiegend aus dem ärztlichen Umfeld: Acht von zehn Personen beziehen diese vom Lungenfacharzt, vier vom praktischen Arzt sowie drei vom Krankenhaus. Jeder Fünfte informiert sich im Internet über die Erkrankung. "Ich halte aufgrund dieser Ergebnisse besonders die Rolle von Selbsthilfegruppen und Apotheken als Informationsquellen für ausbaufähig. Außerdem wünsche ich mir, dass die Ergebnisse des Österreichischen Patientenberichts sowie die Umfragen der Österreichischen Lungenunion zur Lebensqualität von Betroffenen in Zukunft als Basis für Entscheidungen im österreichischen Gesundheitssystem eingesetzt werden", forderte Otto Spranger abschließend.

Fast 40 Prozent der unter 60-jährigen befragten COPD-Patienten beziehen Invaliditätspension

Zwar wird Tabakkonsum in aktiver oder passiver Form als Hauptverursacher von COPD erachtet, eine Belastung in Form von Schadstoffen, Gasen und Feinstaub kann aber ebenso zur Entstehung der Erkrankung beitragen. Diese Belastungen entstehen für die Betroffenen meist am Arbeitsplatz. "COPD hat gerade auf die Arbeitssituation von Betroffenen erheblichen Einfluss. Viele Patienten werden arbeitsunfähig und müssen Frühpensionierungen in Kauf nehmen. 79 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nicht berufstätig sind!", so Prof. Dr. Rudolf Müller, Chefarzt der Pensionsversicherungsanstalt. Auch der Bezug einer Pension ist bei COPD-Betroffenen keine Seltenheit: 23 Prozent der Befragten gaben an, aufgrund ihrer COPD eine dauerhafte oder befristete Pension zu beziehen. Von den Invaliditätspensionsbeziehern sind 39 Prozent unter 60. "Die Ergebnisse des Patientenberichtes COPD zeigen auf, dass rund die Hälfte der Betroffenen mit finanziellen Einbußen auf Grund der Erkrankung rechnen muss. Ich halte es für äußerst besorgniserregend, dass jeder fünfte Befragte durch die veränderte Arbeitsfähigkeit finanzielle Einbußen erleidet", betonte Prof. Dr. Müller weiter. Dies treffe nicht nur den Patienten finanziell, auch die österreichische Volkswirtschaft verliere durch das frühzeitige Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess wertvolle Arbeitskräfte.

Die Diskutanten zeigten sich einig, dass neben den Therapiemaßnahmen in besonderem Maße Information rund um die Erkrankung ein ganz wesentlicher Aspekt bei COPD sei. Neben der Ansprache der bereits Betroffenen sei es besonders wichtig, auch die "potenziellen Patienten", also die gesamte österreichische Bevölkerung, über die weit verbreitete Erkrankung aufzuklären.

Über die Initiative Österreichischer Patientenbericht

PERI Consulting initiierte das Projekt "Österreichischer Patientenbericht" erstmals im Jahr 2005. Durch anonymisierte Patientenumfragen zu verschiedenen chronischen Erkrankungen sollen die Anliegen von Patienten eruiert, Optimierungspotenziale im österreichischen Gesundheitssystem erhoben und die Ergebnisse den zentralen Akteuren und Entscheidungsträgern des Gesundheitswesens übermittelt werden. Der Patientenbericht resultiert aus einem qualitätsgesicherten Prozess und arbeitet mit Umfragen bei Betroffenen und deren Angehörigen. Die Fragebögen wurden österreichweit über Ambulanzen, Krankenhäuser, Ordinationen und Selbsthilfegruppen verteilt. Weitere Informationen zu den Zielen und Ergebnissen des Patientenprojekts sind auf der Website www.patientenbericht.at ersichtlich.

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http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=201101&e=20110118_p&a=event

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