TIROLER TAGESZEITUNG "leitartikel" vom 14. Jänner 2011 von Peter Nindler "Lebenshilfe benötigt Neubeginn"

Im Sinne der 1000 Mitarbeiter und 1400 Behinderten benötigt es einen Reinigungsprozess in der Lebenshilfe.

Innsbruck (OTS) - Das haben sich die engagierten Mitarbeiter nicht verdient, und schon gar nicht die von der Lebenshilfe betreuten Menschen: Tagtäglich werden sie von Meldungen über Günstlingswirtschaft, Neid, Missgunst, internen Querelen und Führungschaos überrollt. Das schafft Unsicherheit und verunsichert. Denn es braucht die Lebenshilfe in Tirol als Eckpfeiler für die Pflege und Förderung der Menschen mit Handicaps. Was es nicht benötigt, ist eine Führungsclique, die Schuldige für den Vertrauensverlust sucht, den Hauptschuldigen aber übersieht - nämlich sich selbst.
Verein und Gesellschaft agieren seit Jahren als Staat im Staat: Nicht einmal das Land Tirol als Partner, der die Lebenshilfe jährlich mit mehr als 40 Millionen Euro fördert, durfte Vorgehensweisen und Strukturen in der Lebenshilfe kritisch hinterfragen. Auf Kritik reagierte die Lebenshilfe-Führung stets mit politischen Interventionen durch die Hintertür. Das soziale Engagement wurde zum Totschlagargument, das sinnvolle und notwendige Reformen verhinderte. Mit Präsident Hanspeter Zobl und Vereins-Geschäftsführer Helmut Rochelt zog sich lediglich die Spitze der Lebenshilfe zurück, das von ihnen geprägte System haben sie jedoch zurückgelassen. So kann ein Reinigungsprozess nicht gelingen. Es wird beschuldigt, entschuldigt und nach Bauernopfern gesucht - doch es reicht! Die Mitwisser und Profiteure des Systems wie Vorstand und Geschäftsführung, die sich jetzt gegenseitig befetzen, sollen endlich den Hut nehmen und den Weg für eine Erneuerung frei machen.
Jeden Tag länger, an dem sich die Lebenshilfe-Führung hinter ihrem sozialen Engagement verschanzt, entlarvt sie sich als Systemerhalter und verhindert so einen Neubeginn. Was sie aber unterschätzt: Ihr Staat im Staat bröckelt längst.

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