TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 13. Jänner 2011 von Wolfgang Sablatnig "Nicht mehr als ein ganz normaler Job"

Heer und Sozialdienste müssen künftig um Mitarbeiter werben. Das kann teuer werden.

Innsbruck (OTS) - Die ÖVP bremst noch. Tatsächlich wird sich die ÖVP aber schwertun, den Abschied von der Wehrpflicht noch zu verhindern, auch wenn es noch so wehtut, der SPÖ diesen Punkt zu gönnen.
Das Hinhalten zwingt die SPÖ aber, realistische Modelle vorzulegen. Jetzt beginnt erst die mühselige Kleinarbeit, um sicherzustellen, dass die bisherigen Aufgaben der Präsenz- und Zivildiener auch tatsächlich weiterhin erfüllt werden können.
Ein erster Schritt dazu ist geschehen. Bezahlung und soziale Absicherung sind beim SPÖ-Modell für den Zivildienst-Ersatz so angelegt, dass sie eine tatsächliche Alternative am Arbeitsmarkt werden können. Das gilt auch für den Dienst beim Militär. Mindestens 1400 Euro netto pro Monat für Zeitsoldaten sind mehr als ein Taschengeld. Zusätzliche Zuckerln müssen ein weiteres starkes Argument liefern, sich für diese Berufe zu entscheiden.
Denn die Arbeitsplätze bei Heer und sozialen Diensten werden künftig nicht mehr sein als eine Alternative unter vielen am Jobmarkt. Das Schlagwort von den "Freiwilligen" soll diese Tatsache nur kaschieren und das ungeliebte Wort vom "Berufsheer" vermeiden. Und wenn diese Jobs nicht attraktiv genug sind oder der Arbeitsmarkt brummt, werden weniger junge Menschen diesen Weg einschlagen.
Genau da liegt eines der Probleme des Abschieds von der Wehrpflicht. Wenn sich nicht mehr genug Anwärter für diese Jobs finden, wird nichts anders übrig bleiben, als höhere Gehälter zu zahlen oder die Attraktivität auf anderem Weg zu erhöhen. Das bedeutet automatisch mehr Kosten.
Der andere Ausweg für den Fall zu geringen Zulaufs ist nur ein theoretischer: Ein Zurück zur Wehrpflicht wäre - außer für den Fall einer echten nationalen Katastrophe - undenkbar.

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