"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Auslachen stat anhimmeln" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 13.01.2011

Wien (OTS) - Bis zu 20.000 Arbeitsplätze wird die "Flugticket-Steuer" vernichten, die in Deutschland seit 1. Jänner eingehoben wird. Das hat der Weltluftfahrtverband IATA diese Woche "errechnet" und kundgetan.

Der Pfusch - von noblen Wirtschaftswissenschaftern auch gerne "Schattenwirtschaft" genannt - macht in Österreich genau 8,01 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, will der für solche Berechnungen sattsam bekannte Linzer Universitätsprofessor Friedrich Schneider herausgefunden haben. Auf Wien entfallen davon genau 5,57 Milliarden, auf Vorarlberg nur bescheidene 910 Millionen.

Derlei Berechnungen wecken Erinnerungen an die düsteren Prognosen vor der Abschaffung der Duty-free-Einkäufe in Flughäfen vor genau zehn Jahren: Hundertvierzigtausend Arbeitsplätze würden dadurch europaweit verloren gehen, davon allein 3800 in Österreich. Die Ursache: Massive Umsatzverluste der Flughäfen, höhere Landegebühren zum Ausgleich fehlender Einnahmen, daher Verteuerung von Pauschalreisen - und ein Viertel (!) weniger Passagiere.

Passiert ist nichts davon, im Gegenteil: Die teuren Läden in den Flughäfen boomen mehr denn je. Man muss kein Prophet sein, um der Einhebung von Flugverkehrsabgaben ähnliche Nicht-Folgen vorherzusagen. Die acht bis 45 Euro in Deutschland und acht bis 35 Euro in Österreich werden sicher nicht acht Millionen Fluggäste vom Reisen abhalten, wie dies der IATA-Chefökonom behauptet.

Eines zeigt sich immer wieder: Je absurder und scheinbar präziser Prognosen und Berechnungen sind, desto mehr Aufsehen erregen sie. Das freut Professoren ebenso wie Interessenvertreter, sind doch beide auf öffentliche Aufmerksamkeit angewiesen: Den einen verschafft sie neue Aufträge, den anderen erleichtert sie die Durchsetzung ihrer Anliegen. Friedrich Schneider gelingt das meisterhaft, wie er einst mit der Bekanntgabe von Vermögen (fünf Milliarden Dollar) und Jahresbudget der Terrororganisation Al Kaida (20 bis 50 Millionen) bewiesen hat.

Am klügsten wäre es, Berechnungen und Ansagen dieser Art einfach zu ignorieren. Das Handwerk gelegt werden könnte den Scharlatanen allerdings nur, wenn Politiker und Medienkonsumenten über sie lachen statt sie ob ihres Fachwissens geradezu anzuhimmeln.

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