"KURIER"-Kommentar von Martina Salomon: "Wie geht's den Eltern?"

Kind-als-Schaden-Debatte: Viel Ideologie, aber wenig Brauchbares für Betroffene.

Wien (OTS) - Sollen Ärzte für den Unterhalts-Mehraufwand haften, wenn sie eine mögliche Behinderung des Embryos übersehen? Ja, sagte das Höchstgericht. Nein, sagt die Justizministerin und will diese Schadenshaftung mithilfe einer Novelle abschaffen. Seither wird heftig (ideologisch) debattiert. Wobei jeder für sich recht hat:
Behinderte wollen nicht als "Schaden" gelten. Die Kirche sieht die Gefahr hoher Abtreibungszahlen, weil sich Ärzte absichern wollen. Aber auch die Bioethikkommission hat recht, wenn sie findet, dass die Arzthaftung nicht einfach teilweise aufgehoben werden soll.
Kaum zu Wort kommen hingegen werdende Eltern, die mit der niederschmetternden Diagnose einer möglichen Behinderung ihres ungeborenen Kindes konfrontiert sind. Oft fühlen sie sich alleingelassen oder bevormundet. Die individuelle Entscheidung kann und soll ihnen niemand abnehmen. Sie brauchen keinen moralischen Zeigefinger, aber viel mehr Beratung als jetzt - und im Falle des Falles finanzielle Sicherheit.
Den Ärzten wiederum kann nicht jedes Risiko aufgebürdet werden, manches in der Medizin verläuft leider schicksalhaft. Echte Arztfehler sollten aber weiterhin geahndet werden - und zwar ausnahmslos (Seite 14).

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