Zivildienst: Lebenshilfe begrüßt Freiwilliges Soziales Jahr

Lebenshilfe fordert Einbeziehung der Träger in die Konzeptentwicklung

Wien (OTS) - Die Lebenshilfe Österreich begrüßt grundsätzlich den von Sozialminister Rudolf Hundstorfer präsentierten Plan zum Zivildienstersatz. Dennoch begegnet die größte Dienstleistungsorganisation im Behindertenbereich den Ausbau eines freiwilligen Sozialjahrs mit gemischten Gefühlen. Lebenshilfe-Bundesgeschäftsführer Mag. Albert Brandstätter dazu: "Ein eingespieltes und gut funktionierendes System wie den Zivildienst lässt sich nicht so einfach ersetzen. Wichtig ist, dass das Sozialjahr eine anerkannte Stellung in der Gesellschaft bekommt, und die muss dem Staat etwas wert sein." Als entscheidende Faktoren nennt Brandstätter eine angemessen Bezahlung und Anreize, wie zum Beispiel die Anrechung von Vordienstzeiten im öffentlichen Dienst.

"Die win-win-Situation, wie sie auch jetzt schon im Zivildienst besteht, muss erhalten werden. Der Dienst am Gemeinwohl muss sich für die jungen Freiwilligen rechnen, sowohl finanziell als auch beim Einstieg in die Arbeitswelt." Die Lebenshilfe Österreich schlägt ein "Freiwilligenportfolio" vor, das später auch bei der Jobsuche von Vorteil sein könnte, wenn es um soziale Kompetenz gehe. Eine angepeilte Engagementdauer von zehn bis elf Monaten ist für die Lebenshilfe unbedingt erforderlich, da bei einem kürzeren Zeitraum der gemeinsame Lerneffekt auf der Strecke bleibt.

Die Lebenshilfe Österreich fordert weiters eine zeitgerechte, langfristige und substanzielle Vorbereitung des Zivildienstersatzes unter Einbeziehung aller Akteure. "Hier muss die Finanzierung, die rechtliche Absicherung des freiwilligen Dienstes und die Eigenleistung der Trägerorganisationen geklärt werden. Wichtig wird auch eine gut gestaltete Übergangszeit in einem allfälligen Systemwechsel sein."

Die Lebenshilfe ist mit derzeit circa 820 Zivildienststellen der drittgrößte Anbieter für Zivildienststellen in Österreich. "Der Zivildienst ist nicht nur ein notwendiger Zusatzdienst für uns, sondern eine wesentliche Grundlage für die qualitätvolle Begleitung behinderter Menschen in ihrem Alltag. Wenn wir Inklusion verwirklichen wollen, brauchen wir verschiedenste Kompetenzen, und da sind Zivildienstleistende sehr wichtig. Dasselbe gilt auch für einen freiwilligen sozialen Dienst. Er böte nicht nur Männern, sondern auch Frauen eine Gelegenheit für Berufsorientierung oder den Erwerb sozialer Kompetenzen."

Auch für ältere Menschen oder Menschen in einer Umorientierungsphase könnte dies durchaus auch eine attraktive Möglichkeit sein. Durch die Vielfalt der eingebrachten Kompetenzen könnte man die inklusive Begleitung behinderter Menschen in ihrem Sozialraum sicherstellen. "Schon jetzt ist der Zivildienst für viele junge Menschen ein wichtiger Anreiz, sich später hauptberuflich oder ehrenamtlich bei der Lebenshilfe zu engagieren. Umso mehr wird dies wohl bei Freiwilligen geschehen", sieht Brandstätter einen weiteren Zusatznutzen eines Freiwilligen Sozialen Jahres.

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