Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg - Runder Tisch für Donauexperten

Pilotprojekt als Testlauf für Stabilisierung der Donausohle

Wien (OTS) - Österreich ist Vorreiter im ökologisch orientierten Flussbau an der Donau. Mit dem Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg wird dieser Erfolgsgeschichte ein neues Kapitel hinzugefügt. So soll 2011 im Bereich Hainburg/Deutsch-Altenburg erstmalig versucht werden, die Stromsohle der Donau durch Zugabe von Donaukies vor weiterer Eintiefung zu schützen. Denn in den letzten 50 Jahren hat sich die Donau östlich von Wien bereits um etwa einen Meter eingegraben. via donau lädt nun Expertinnen und Experten zum Runden Tisch, um die Ziele und Maßnahmen des Pilotprojekts zu diskutieren.

Im Bereich der freien Fließstrecke der Donau östlich von Wien gräbt sich der Fluss trotz der jährlichen Zugabe von ca. 200.000 m3 Kies durch den Verbund flussab von Freudenau pro Jahr im Mittel etwa 2 Zentimeter tiefer in sein Bett ein - mit gefährlichen Folgen für die Umwelt und die Menschen. Es fließt nicht mehr genügend Wasser in die Auen, Altarme drohen auszutrocknen und zu verlanden und es kann zum so genannten Sohldurchschlag kommen. Die Donau würde sich dann "canyonartig" in feinere Schichten einschneiden. Um die Eintiefung zu bremsen, soll nun das Flussbett der Donau mit natürlichen Materialien ohne Kraftwerk stabilisiert werden.

Mit dem Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg möchte via donau auf rund drei Kilometern Länge verschiedene flussbauliche Maßnahmen erproben, um die Eintiefung der Donau zwischen Wien und Bratislava nachhaltig und umweltverträglich zu stoppen. Besonders strömungsexponierte Bereiche werden mit bereits derzeit im Strombett vorhandenem Donaukies im Durchmesser von 4 bis 7 cm gegen zu starke Erosion geschützt. Dieses in Österreich entwickelte Verfahren - die so genannte Granulometrische Sohlstabilisierung - soll die Eintiefung hemmen und so die sinkenden Wasserspiegel stabilisieren.

Das Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg ist das letzte von insgesamt 6 Pilotvorhaben, in deren Rahmen die Maßnahmen des Flussbaulichen Gesamtprojekts im Nationalpark Donau-Auen erprobt und weiterentwickelt wurden bzw. werden. Es dient der Minimierung der Risiken für das Gesamtprojekt in technischer, ökologischer und finanzieller Hinsicht. Das Pilotprojekt wird von einem wissenschaftlichen Monitoring unter Mitwirkung des WasserClusters Lunz, der Universität Wien, der TU Wien, der Universität für Bodenkultur und dem Christian Doppler Labor "Im Fluss" und einer ökologischen Bauaufsicht begleitet, um eine möglichst schonende Umsetzung und einen maximalen Erkenntnisgewinn zu erreichen.

Neue Standards bei Partizipation und Information

Das Flussbauliche Gesamtprojekt und seine Pilotvorhaben gelten international als Vorzeigeprojekte im Zusammenhang mit der Einbindung verschiedenster Interessen in die Projektplanung. Seit 2005 sind Wissenschaftler mit der begleitenden Beweissicherung beschäftigt. Die Planungsgrundsätze wurden von Ökologen, Wasserbau- und Schifffahrtsexperten sowie unter Einbindung der Nationalparkverwaltung gemeinsam entwickelt.

Hochkarätige Wissenschaftler wie o.Univ. Prof. Dr. Jungwirth, o.Univ. Prof. Dr. Schiemer, em. Univ. Prof. DI Dr. Helmut Scheuerlein, Univ. Prof. Dr. Habersack und o.Univ. Prof. Dr. Grabherr haben den Prozess mitbegleitet. "Das Verständnis der Eintiefung der Donausohle auf das komplexe Auensystem erhielt durch den rasanten methodischen Fortschritt in der Computermodellierung und Datenverarbeitung einen enormen Schub. Das Pilotprojekt baut auf modernsten Grundlagen auf, wodurch maximale Entwicklungschancen für die Natur gewährleistet werden", erläutert Univ. Prof. Dr. Grabherr, Leiter des Departments für Naturschutzforschung, Vegetations- und Landschaftsökologie der Universität Wien, die hohe Planungsqualität des Projektes. Univ. Prof. Dr. Habersack, Leiter des Christian Doppler Labors für Innovative Methoden in Fließgewässermonitoring, Modellierung und Flussbau, unterstreicht die Dringlichkeit des Vorhabens: "Die von allen Fachleuten als Kardinalproblem des Nationalparks erkannte Sohleintiefung soll mit flussbaulichen Maßnahmen verhindert werden, allerdings benötigt die Sohlstabilisierungsmaßnahme einen Feldversuch, in dem über das wissenschaftliche Monitoring die Funktionalität und ökologischen Auswirkungen untersucht werden und der Maßnahmenmix optimiert wird."

Der Meinung dieser Experten haben sich mehr als 140 WissenschaftlerInnen der Universität für Bodenkultur Wien, der Universität Wien und der Technischen Universität Wien in einer gemeinsamen Petition angeschlossen.

Bereits vor der Erstellung der generellen Planung fanden Moderationsworkshops mit wichtigen Stakeholdern und NGOs statt. Darüber hinaus wurden bei zahlreichen Informations- und Diskussionsveranstaltungen an Universitäten und in den Anrainergemeinden die Projektziele und -maßnahmen diskutiert.
via donau lädt nun zum Runden Tisch. "Mit der Einladung zum Runden Tisch möchten wir den intensiven Partizipations- und Informationsprozess fortsetzen, der die Entwicklung und Umsetzung der Pilotvorhaben begleitet", so Hans-Peter Hasenbichler, Geschäftsführer der via donau.

Die Expertenrunde soll am 26. Jänner 2011 im Projektgebiet zusammentreffen. Dabei sollen die Ziele und Maßnahmen des Pilotprojekts, aber auch die zu erwarteten Erkenntnisse vorgestellt und diskutiert werden. Sowohl das BMVIT als auch das Land Niederösterreich unterstützen diese Maßnahmen zur weiteren Vorbereitung des Pilotprojektes.

Mittlerweile sind alle erforderlichen wissenschaftlichen Voruntersuchungen im Projektgebiet abgeschlossen. Sämtliche Maßnahmen wurden von einem Team aus Ökologen, Schifffahrts- und Wirtschaftsexperten sowie Wasserbauern geplant.

Die Petition kann unter presse@via-donau.org angefordert werden.

Rückfragen & Kontakt:

via donau - Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH
Mag. Eva Michlits
Tel.: 05 04321-1400
presse@via-donau.org

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