"Kinder haben das Recht, sich in der Schule wohlzufühlen"

Wiens Kinder- und Jugendanwälte fordern eine grundlegende Bildungsreform

Wien (OTS) - "Die selektiven Maßnahmen des Schulsystems müssen ein Ende finden", stellt Wiens Kinder- und Jugendanwälte Monika Pinterits und Dr. Anton Schmid anlässlich des Vernetzungstreffens zum Volksbegehren "Bildungsinitiative" klar. Anstatt über "Bildungsempfehlungen" nach der Volksschule und Aufnahmeprüfungen für die Oberstufe zu diskutieren, sollte man sich die Frage stellen, was SchülerInnen wirklich brauchen, um effektiv lernen zu können. "Denn Kinder haben das Recht zu lernen. Und es ist schlimm genug, dass dieser Punkt nicht in die Debatte um die gesetzliche Verankerung der Kinder- und Jugendrechte einfließt", kritisiert Pinterits.
Im Zuge der Forderung, aus jeder Hauptschule eine Neue Mittelschule zu machen, werde einer alten Baustelle nur ein neues Etikett umgehängt. Um eine ernst gemeinte Schulreform im Interesse der Kinder und Jugendlichen einzuläuten, müsste das ramponierte Schulsystem komplett neu aufgestellt werden, sind die Kinder- und Jugendanwälte überzeugt.
"Die Schule sollte als Lebensraum verstanden werden, in dem sich die Kinder und Jugendlichen auch wohlfühlen können", fordert die Jugendanwältin. Außerdem müsse die Schule zu einer Dienstleistung für Kinder und Jugendliche werden und auch als solche verstanden werden. "Dies ist ein komplett anderer Zugang als die langläufige Auffassung, dass Kinder nun einmal zu funktionieren haben", meint Schmid. So seien LehrerInnen auch nicht dazu da, Kinder zum Auswendiglernen zu drillen. Stattdessen sollten sie ihnen beibringen, wie man Zusammenhänge erkennt oder wo man nach Informationen suchen kann. "Unser Bildungssystem ist sehr autoritär und segregativ. Es kann nicht sein, dass man sich nur um die Elite bemüht und die übrigen SchülerInnen auf der Strecke bleiben", kritisieren die Jugendanwälte und verweisen auf das finnische Schulsystem, in dem die LehrerInnen durch individuelle Betreuung darauf achten, dass auch die Schwächeren mithalten können. Österreich sollte sich von diesem Erfolgsmodell etwas abschauen, denn "man sieht ja, dass es funktioniert", so Pinterits. Für die Kinder- und Jugendanwaltschaft sind folgende Eckpfeiler in dem Bildungs-Volksbegehren zentral:

  • Gleiche Bildungschancen für alle Kinder
  • Stärkere Beachtung und Implementierung der SchülerInnenrechte
  • Ein durchlässiges Schulsystem ohne Selektionsmechanismen
  • Ein ganztägiges Bildungsangebot inklusive Mittagessen
  • Keine Versetzungsgefährdung
  • Individuelle Betreuung der SchülerInnen
  • Nachhilfe und Förderangebote innerhalb der Schule
  • Integration als Selbstverständlichkeit
  • Betreuung der SchülerInnen durch ein multiprofessionelles Team aus LehrerInnen, StützlehrerInnen, SozialarbeiterInnen und PsychologInnen
  • Verbale Beurteilung statt Noten
  • Wählbare Module und individuelle Lehrplangestaltung

Es sei kein Zufall, dass in Finnland mehr als die Hälfte aller SchülerInnen höhere Schulen besuchen. In Modulen können sich die Jugendlichen unterschiedliche Wissensgebiete aneignen, die von den Vortragenden so interessant wie möglich gestaltet werden müssen, um von dem jungen Publikum angenommen zu werden. "Auch der Zugang zu den Kindern ist ein anderer, weil nicht die kognitive Entwicklung im Vordergrund steht, sondern auf die sozialen und emotionalen Stärken geachtet wird", erläutern die Kinder- und Jugendanwälte. Bei all diesen Punkten gehe es aber nicht darum, den Begriff "Gesamtschule" zu verwenden. Denn: "Die Inhalte sind wichtig und nicht, wie diese Art des Lernens bezeichnet wird". Zentral ist für die Kinder- und Jugendanwälte, dass man in Österreich endlich von einer Defizitkultur zu einer Kompetenzkultur aufsteigt und die Anliegen der SchülerInnen in den Mittelpunkt rückt.

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