"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: "Glaub-Würdigkeit"

Die Rekord-Fluchtwelle von Katholiken ist kein Schicksal, sondern hausgemacht.

Wien (OTS) - Seit 1938 haben noch nie so viele Österreicher der Kirche den Rücken gekehrt wie im Vorjahr - nicht einmal, als der Missbrauchsskandal um Kardinal Groer 1995 ruchbar wurde, waren es so viele. Die damals nur oberflächliche Aufarbeitung hat sich nachhaltig gerächt. Fünfzehn Jahre danach meldeten sich noch immer mehrere Hundert Opfer von Klerikern. Die neuerliche Enthüllungswelle von Fällen, die oft Jahrzehnte zurücklagen, löste die Rekordflucht aus. Für viele Gläubige war es unglaublich, dass dies so lange vertuscht wurde.
Kardinal Christoph Schönborn hat mit der Einrichtung einer Untersuchungskommission diesmal angemessen reagiert. Rundum Glaubwürdigkeit zurückerobern wird die katholische Kirche aber erst, wenn sie jeden Anschein von Doppelmoral beseitigt: Von der gelehrten und gelebten Sexualmoral in den eigenen Reihen bis zum verkrampften Umgang mit Frauen. Als unentbehrliche Helfer sind sie willkommen, als Amtsträger aber verpönt.
Glaubwürdig gelebter Glaube ist nicht out: Die Caritas, die christliche Nächstenliebe ohne doppelten Boden vorlebt, blieb von der Skandalwelle gänzlich unberührt.Während die Kirchensteuern zunehmend versiegen, fließen die Caritas-Spenden wie in alten Zeiten.

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