Kfz-Zulassungen erreichten im Jahr 1 nach der Öko-Prämie ein Rekordhoch, Pkw +2,9%

Fahrzeughandel sieht das Ergebnis jedoch wegen der stark gestiegenen Kurzzulassungen "mit zwei weinenden Augen" und appelliert an die Vernunft der Hersteller

Wien (OTS/PWK011) - Eine in Österreich noch nie dagewesene Zahl
an neu zugelassenen Kraftfahrzeugen weist die aktuelle Bilanz für das Jahr 2010 aus: Die Anzahl der Neuzulassungen von Personenkraftwagen -der mit 77,5 Prozent am meisten vertretenen Kfz-Fahrzeugart -verzeichnete mit insgesamt 328.563 Fahrzeugen eine Zunahme von 2,9 Prozent gegenüber 2009. Damit wurde 2010 - im Jahr 1 nach der Ökoprämie - das bisher höchste Ergebnis von 1992 (mit damals 320.094 neu zugelassenen Kfz) um 8.469 Stück übertroffen. Diese Zahlen präsentierte das Bundesgremium des Fahrzeughandels der WKÖ -Bundesgremialobmann Burkhard Ernst und Einzelhandels-Sprecher Josef Schirak - gemeinsam mit Ingo Natmessnig, dem Sprecher der Automobilimporteure, und Peter Laimer von der Statistik Austria heute, Dienstag, vor Medienvertretern.

Er sehe diese Zahlen jedoch "mit zwei weinenden Augen", sagte Obmann Ernst, selbst Autohändler: Schuld daran sind einerseits die so genannten Kurz- bzw. Tageszulassungen von Pkw. Deren Zahl ist 2010 stark angestiegen. Ohne Berücksichtigung der Tageszulassungen würde der Zuwachs bei den Pkw-Neuzulassungen 2010 im Vergleich zu 2009 geringer ausfallen und läge nur bei 1,1 anstatt bei 2,9%.Die Schätzungen der Experten gehen davon aus, dass 2010 in Österreich rund 76.500 Fahrzeuge (bis maximal 120 Tage) kurzzugelassen wurden. Wie hoch der Anteil jener in Österreich verbliebenen kurzzugelassenen Fahrzeuge ist, kann mangels statistischer Erfassung leider nicht nachvollzogen werden. In diesem Zusammenhang appelliert Ernst an die Vernunft der Hersteller. Es müsse gelingen, die Zahl der Kurzzulassungen wieder auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren.

Das zweite "weinende Auge" resultiert aus der laut Einzelhändler Schirak - angesichts des gnadenlosen Verdrängungswettbewerbs -mangelnden Ertragssituation von Fahrzeughandelsunternehmen.

Alles in allem habe sich 2010 dennoch zu einem guten "Autojahr" entwickelt, "in dem viele Konsumenten Geld möglicherweise nicht mehr an der Börse investiert, sondern sich dafür ein neues Auto gekauft haben", so Ernst.

Nach Antriebsarten betrachtet, war der Anteil von neu zugelassenen Benzinern in Österreich im Vergleich zu 2009 (53,5%) zwar rückläufig und betrug - gemessen an allen Pkw-Neuzulassungen - etwas weniger als die Hälfte (48,6%). Die seit 2004 einsetzende Zunahme (29,2% Anteil) von benzinbetriebenen Pkws setzte sich dennoch weiter fort, während der Anteil Diesel-betriebener Pkws nur mehr knapp die Hälfte erreichte (50,9%; 2003 noch 71,5%). Die Zahl der Pkw mit alternativem Antrieb (Elektro, Erdgas, bivalent und Hybrid) hat auf dem heimischen Markt einen Anteil von 0,5 Prozent und nahm 2010 um 6,2 Prozent auf 1.693 Stück zu.

Erstmals wurden die Neuzulassungen 2010 auch nach CO2-Klassen erhoben: Demnach nahm die Zahl der Neuzulassungen von Pkws mit höheren Emissionswerten im Vergleich zu 2009 ab (z.B. über 140 g/km mit -15,3%), während jene bis 140g/km CO2-Ausstoß deutlich zunahmen (+25,8%); für ein Drittel (33,5%) und damit die Mehrheit der im Jahr 2010 neu zugelassenen Pkws liegen die CO2 Emissionen zwischen 120-140 g/km, so Statistiker Laimer.

Betrachtet nach Marken, war die Zahl der Neuzulassungen 2010 für die Mehrheit der so genannten Top 10 Pkw-Marken (sie machen einen Anteil von 67,6 Prozent aus) höher als im Jahr davor: Marktführer VW (16,8% Anteil) verzeichnete eine Zunahme von 7,3%, ebenso BMW (+14,1%), Opel (+15,8%), Renault (+8,5%), Skoda (+8,1%); Spitzenreiter war Hyundai mit +29,6%.

"Es ist erstaunlich, dass sich der Impuls der Öko-Prämie von 2009 so lange fortgesetzt hat", unterstrich auch Importeurs-Sprecher Natmessnig. Er verwies auf die Innovations- und Modernisierungskraft der Automobilhersteller. Als Trend 2010 bei Neuwagenkäufen machte er das so genannte "Downsizing" aus: Es wurden vermehrt kleinere - wenn auch oft nicht größenmäßig, so doch im bezug auf die Motorisierung -Pkws mit sparsameren Motoren angeschafft. Dazu gesellt sich die laufende Verbesserung von Verbrennungsmotoren.

Bei den Absatzzahlen von Lastkraftwagen sei, so Natmessnig, eine Wirtschaftsbelebung erkennbar. Immerhin entwickelte sich die Zahl der Lkw-Neuzulassungen 2010 mit +8,5% ( = 31.071 Stück insgesamt) im Vergleich zu 2009 wieder positiv.

Die Neuzulassungen von einspurigen Kfz (Anteil an den Kraftfahrzeugen in Österreich: 11,2%) lagen laut Statistik Austria 2010 mit 47.498 Stück um 4,6% unter dem Wert des Jahres davor.

Einig zeigten sich Ernst, Schirak und Natmessnig darin, dass die Belastungen der Autofahrerinnen und Autofahrer in Österreich am Plafond angelangt seien: "Autofahren ist zum Luxus geworden." Daher sprach Ernst als oberster Fahrzeughändler Österreichs die Einladung an die Politik aus, die derzeit höchst unübersichtliche und aufwändige Auto-Besteuerung gemeinsam neu zu gestalten: "Das bringt allen Beteiligten Vorteile: Dem Staat die Verwaltungsvereinfachung, den Händlern ebenso eine administrative Erleichterung und last but not least den Kunden eine Transparenz auch schon vor der Anschaffung eines Fahrzeuges." Die Branchenvertreter regen, anstatt teure Co2-Zertrifikate kaufen zu müssen, die Wiedereinführung der Öko-Prämie an. Die Beteiligung des Staates habe sich durch die eingenommenen NoVA- und Mehrwertsteuerbeträge mehr als amortisiert; zudem hat die Öko-Prämie zur Verbesserung der Umweltsituation in Österreich beigetragen. (JR)

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