"KURIER"-Kommentar von Christian Böhmer: "Gepatzt, Herr Doktor?"

Wenn Spitäler ihre Fehler nicht freiwillig offenbaren, dann ist Zwang angesagt.

Wien (OTS) - Wenn Sie demnächst vorhaben, sich für eine Operation stationär in ein österreichisches Krankenhaus zu begeben, dann sollten Sie Ihrem Arzt vor dem Aufenthalt zumindest eine Frage stellen: "Herr Doktor, wie hoch ist in meinem Spital die Re-Interventionsrate?" Der spröde Begriff beschreibt jenen Prozentsatz an Operationen, bei denen es nach der OP zu weiteren Eingriffen kommt, kurzum: Er erklärt, wie oft bei einer Operation etwas schiefläuft.
Dass bei medizinischen Behandlungen Fehler passieren, ist unvermeidlich. Erstaunlich ist freilich, wie oft dies selbst in Hightech-Spitälern geschieht.
Jede zehnte Behandlung in einem europäischen Krankenhaus schadet den Patienten, warnte zuletzt EU-Gesundheitskommissar John Dalli, vor allem um die Hygiene sei es übelst bestellt (siehe Bericht Seite 15). Patientenvertreter fordern seit Jahren, dass Spitalsbetreiber gesetzlich dazu verpflichtet werden, Qualitätskriterien wie die Re-Interventionsrate zu veröffentlichen. Die Politik lässt sich freilich Zeit - immerhin könnte das bedeuten, dass Standorte schließen, Gott behüte!
Als Patient bleibt Ihnen damit vorerst nur eines: Fragen Sie nach Erfolgsquoten. Und wenn Ihr Spital nicht antwortet? Dann nehmen Sie ein anderes.

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