Dioxin-Skandal: Heimische Schweinemäster fordern verstärkte Importkontrollen

Schlederer: Verunsicherung beim Konsumenten verhindern

Linz/Wien (OTS) - Der Dioxin-Skandal in Deutschland hat auch Auswirkungen auf den österreichischen Markt. Eigentlich sollte es ein Vorteil für die heimischen Schweinemäster sein, wenn die Mitbewerber aus Deutschland jetzt weniger Fleisch auf den Markt bringen. Dieser Vorteil dürfte aber nur kurzfristiger Natur sein: "Wenn nach und nach der aufgestaute Fleischberg aus den gesperrten Stallungen beziehungsweise Tiefkühllagern der BRD wieder auf den Markt kommt, wird es auch für uns schwer werden, dem daraus resultierenden Preisdruck standzuhalten. Da bisher kein dioxinbelastetes Schweinefleisch gefunden wurde, ist anzunehmen, dass das derzeit durch die Lebensmittelbehörden zurückgehaltene Fleisch nach den Untersuchungen freigegeben wird und wieder auf den nationalen und internationalen Markt kommt, wahrscheinlich als sehr günstiger Rohstoff für die Fleischindustrie. Preisverluste werden monatelang auch den österreichischen Bauern Geld kosten", stellt Johann Schlederer von der Österreichischen Schweinebörse gegenüber aiz.info fest.

Deutsche Mischfutterindustrie mangelhaft überwacht

Die Dioxin-Skandale - in den letzten Jahren in Belgien, in Irland und jetzt in Deutschland - traten laut Schlederer immer in Verbindung mit Fertigfutter aus der Mischfutterindustrie auf. "Bei der Tiermast mit Fertigfutter wird ausschließlich industriell gefertigtes Futter eingesetzt. Diese Form ist in Norddeutschland und anderen nordwesteuropäischen Ländern üblich. Welche Stoffe dem Fertigfutter beigemengt werden, obliegt der Futtermittelfirma. Kriminelle Kräfte haben es dabei leicht, die Futtermittelkette als Müllentsorgung zu missbrauchen", so der Experte.

Österreich ist anders

Für Österreich gelte, dass in der Schweinehaltung die Bauern ihr Futter selber erzeugen. "Nur Soja und Mineralstofffutter, das entspricht ungefähr einem Fünftel des Gesamtfutterverbrauches eines Mastschweines, wird zugekauft. Das Futtergetreide wird auf den heimischen, meist hofeigenen Feldern geerntet, selber gelagert und am Hof verarbeitet. Daher ist eine Kontamination unseres Futters mit Dioxin, wie sie in den angeführten Fällen bei Fertigfutterlieferanten aufgetreten ist, auszuschließen", so Schlederer.

Besonders jetzt sollte auf die hohe Güte und die strenge Qualitätssicherung der österreichischen Schweineproduktion hingewiesen werden. Beim AMA-Gütesiegel-Programm seien zusätzlich im Rahmen der pastus-Richtlinie alle genehmigten Futtermittel aufgelistet. Die Einhaltung dieser Vorgaben werde seitens der strengen AMA-Kontrolle überwacht.

Importfleisch gezielt untersuchen

"Bei den Importeuren von deutschen Schlachtschweinen und Fleischwaren ist zurzeit Zurückhaltung feststellbar. Eine amtliche Importsperre widerspricht dem EU-Reglement, da Deutschland von sich aus die betroffenen Betriebe gesperrt hat und erst nach eingehender Untersuchung wieder freigibt. Handlungsbedarf besteht aber bei der österreichischen Lebensmittelüberwachung. Diese ist aufzufordern, ab sofort Importschweine und Importfleisch aus Deutschland gezielt unter die Lupe zu nehmen, damit hierzulande eine Verunsicherung beim Konsumenten verhindert werden kann", fordert Schlederer.
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