WirtschaftsBlatt-Leitartikel:Der große Neujahrs-Schock an der Tankstelle - von Robert Lechner

Nicht nur die Regierung treibt den Spritpreis

Wien (OTS) - Haben Sie heuer schon einmal bei einer Zapfsäule vorbeigeschaut? Wenn ja, war die Überraschung trotz des vorangegangenen Wirbels rund um die Erhöhung der Mineralölsteuer vermutlich relativ groß. Schon erstaunlich, wieviel eine Tankfüllung seit 1. Jänner 2011 kostet. Und das Ende der Preisexplosion ist nicht absehbar. Experten gehen davon aus, dass die zusätzliche Steuerbelastung von 4,8 Cent je Liter Benzin und 6,0 Cent bei Diesel in den kommenden Wochen erst so richtig durchschlagen wird. Für das gesamte Jahr werden sich die Kosten fürs Auto locker um mehr als fünf Prozent erhöhen, prognostizieren Autofahrerklubs. Immerhin holt sich der Finanzminister 417 Millionen Euro zusätzlich fürs Budget.

Insofern hat die heimische Mineralölwirtschaft natürlich recht, wenn sie die Preisattacke an der Tankstelle vor allem auf das Handeln der Regierung zurückführt. Von interessanten Details am österreichischen Treibstoffmarkt sollte die Argumentation aber nicht ablenken. Dazu gehört etwa der Rotterdam-Schmäh. Demnach orientieren sich die Tarife an der Zapfsäule an der teilweise spekulationsgetriebenen Notierung in den Niederlanden. Und das, obwohl Österreich einen großen Teil seines Rohölbedarfes über langfristige Lieferverträge mit ganz anderen Staaten abdeckt. So heißt es etwa in einer Image-Broschüre des Sektors, dass die wichtigsten Lieferländer Kasachstan, Libyen, Irak, Syrien, Saudi-Arabien und der Iran sind.

In ebendieser Broschüre ist auch der Aufruf zum Tanken bei Markentankstellen enthalten. Ein berechtigtes Anliegen aus Sicht der Branche. Die Frage ist nur, ob ein Autofahrer, der lediglich Benzin oder Diesel kaufen will, auch die Kosten für aufwendige Shops mitbezahlen soll. Zu hinterfragen ist auch, ob es hierzulande nicht einfach zu viele Tankstellen gibt. Ein Vergleich mit Deutschland zeigt jedenfalls, dass in der Bundesrepublik auf eine Tankstelle 5500 potenzielle Kunden kommen während es in Österreich nur 3000 sind. Vollkommen klar, dass die Mehrkosten für diese Dichte irgendjemand tragen muss.

Für mündige Verbraucher sind das freilich alles keine Gründe, den Kopf hängen zu lassen. Mit ganz einfachen Tricks lassen sich selbst die Ölmultis relativ leicht ausbremsen. Wer Sprit-Nachschub braucht, sollte gemäß überzeugender Studien nur am Montag tanken. Die neue Preisverordnung in Österreich legt zudem einen Tankenstellenbesuch am Vormittag nahe. Ähnlich einfach ist es auch, der Abzocke auf Autobahn-Tankstellen auszuweichen.

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