Leitartikel der Tiroler Tageszeitung von MIRIAM SULAIMAN "Notarztsystem braucht selbst einen Arzt"

Ausgabe vom 10. Jänner 2011

Innsbruck (OTS) - Der Konflikt im System führt zu Lücken in der Notarztversorgung. Die Übergangslösung gehört beseitigt.

Einmal ist immer das erste Mal. So rückte vergangenen Freitag zwar das Notarzteinsatzfahrzeug in Telfs aus - aber kein Notarzt. 24 Stunden, 365 Tage im Jahr, so lautet das Credo des Notarztsystems. Doch seit es die personellen Probleme gibt, schwächelt diese Einrichtung. Bisher aktive Notärzte sprechen von Gehaltseinbußen und haben sich aufgrund der Unsicherheit, wie es weitergeht, bereits andere Verdienstmöglichkeiten gesucht. Das System lebt aber davon, dass eine personelle Mindestbesetzung vorhanden ist, mit der einerseits der Dienstplan organisiert wird und die andererseits die Einrichtung im Krankheitsfall aufrechterhält.

In Telfs war zwar der Notarzt per Hubschrauber in zwölf Minuten am Einsatzort. Das ist aber nicht Sinn des Systems. Die Standorte der Notarzteinsatzfahrzeuge sind ja mit Bedacht gewählt. Jenes in Telfs etwa ist für den Raum von Imst bis Mittenwald zuständig. Müssen Hubschrauber als Alternative für die personelle Lücke im System herhalten, so explodieren die Kosten erst recht.

Dabei sind es gerade die Kosten, die Probleme bereiten. Bekanntlich akzeptiert die Sozialversicherung keine Werk- bzw. freien Dienstverträge mehr für die Notärzte. Aufgrund von Einkommensverlusten bis zu 30 % wollten Notärzte der neuen Lösung nichts abgewinnen. Es wurde lange hin und her verhandelt. Land und Gemeinden erklärten, die Mehrkosten bis zum 1. Juli zu tragen. Doch das reicht augenscheinlich nicht, wenn die nötige Zahl an Ärzten nicht mehr zur Verfügung steht.

Dass Übergangslösungen Probleme in sich bergen, ist logisch, gerade deshalb muss schnellstmöglich eine Generallösung getroffen werden. Bis zum 1. Juli darf erst recht nicht wieder gewartet werden. Sonst sind weitere Probleme vorprogrammiert. Bis tatsächlich etwas passiert.

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