Wien: Bischof fordert Schutz der Kopten durch ägyptische Justiz

Koptisch-orthodoxer Bischof Gabriel: Bisher wurde kein einziger Attentäter zur Rechenschaft gezogen

Wien, 09.01.11 (KAP) Nur eine Ende der Diskriminierung der koptischen Christen in Ägypten in Justiz und Verwaltung kann künftige Gewalt gegen sie eindämmen. Das betonte der koptisch-orthodoxe Bischof in Österreich, Anba Gabriel, am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Wien. Derzeit gelte in Ägypten de facto das islamische Recht ("Scharia"), daher sei bisher kein einziger Muslim, der in den vergangenen 40 Jahren Attentate auf Kopten verübte, vor Gericht zur Rechenschaft gezogen worden. "Das Blut der Kopten in Ägypten ist billig", so der Bischof wörtlich. Die erste und wichtigste Forderung der koptischen Christen an die Regierung in Kairo sei daher, durch Gesetzesänderungen ein gerechtes Justizsystem zu schaffen, das Übergriffe auf religiöse Minderheiten und das Schüren von Hass gegen sie tatsächlich ahndet.

Anlass der Pressekonferenz war das Selbstmordattentat eines Islamisten in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Jänner in Alexandria, bei dem 23 Kopten getötet und 100 Kopten teils schwer verletzt wurden. Bischof Gabriel wies Behauptungen ägyptischer Behörden zurück, wonach bei dem Attentat auch Muslime getötet worden seien. Acht Muslime seien lediglich leicht verletzt worden. Laut dem Bischof verließen die von der Polizei abgestellten Wachmänner vor dem Anschlag ihre Posten vor der Markus-und-Petrus-Kirche im Stadtteil Sidi Bischr von Alexandrien. Er gehe davon aus, dass sie von den Attentatsplänen wussten, so Gabriel.

Die weltweiten Proteste gegen die Gewalt gegen die Kopten in Ägypten seien eine Hilfe, um die Regierung in Kairo zu einem Umdenken zu bewegen, für das es erste Anzeichen gebe. Obwohl bisher schon mehrere Dutzend Kopten durch islamistisch motivierte Anschläge getötet wurden, sei es jetzt das erste Mal gewesen, dass Staatspräsident Hosni Mubarak offiziell via Fernsehen sein Bedauern über den Anschlag und sein Mitgefühl mit den Hinterbliebenen der Opfer bekundete. Zum ersten Mal seien auch Demonstrationen der koptischen Christen im Land erlaubt worden, und ebenfalls zum ersten Mal wurden in ägyptischen Medien die Namen der Opfer genannt.

Die Kopten ließen sich durch die Anschläge nicht entmutigen und schon gar nicht von ihrem Glauben abbringen. Sie würden im Gegenteil in ihrer Treue zu ihrer christlichen Überzeugung gestärkt. Aus dieser Überzeugung heraus wolle man auch nicht Hass mit Hass vergelten. "Wir lieben auch die Muslime und wir verzeihen", unterstrich Bischof Gabriel. Das entbinde die ägyptischen Behörden aber nicht von ihrer Pflicht, gleiches Recht für alle Staatsbürger zu schaffen.

In Österreich fühlten sich die Kopten gut geschützt, erklärte Bischof Gabriel weiter, und man pflege auch gute Beziehungen zu dem Muslimen. Man nehme aber die Terrordrohungen islamistischer Gruppen, in denen auch mehrere Namen in Österreich lebender Kopten angeführt sind, ernst. Die über Internet verbreiteten Drohungen seien in erster Linie dazu gedacht, eine Stimmung gegen die Kopten in den verschiedenen Ländern zu erzeugen und auch hiesige Islamisten zu motivieren, Anschläge zu verüben. Die österreichischen Behörden hätten entsprechend reagiert, so der Bischof.

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