Die Gunst der Stunde für Schulreformen - Leitartikel von Wolfgang Sablatnig

Die SPÖ und Ministerin Claudia Schmied müssen die ÖVP zum Wahrheitsbeweis für Reformbereitschaft zwingen.

Innsbruck (OTS/TT) - Zu einem Ja zur Gesamtschule für alle 10- bis 14-Jährigen hat sich die ÖVP bei ihrem neuen Bildungskonzept nicht durchgerungen. Das war realistisch gesehen auch nicht zu erwarten. Wer sich - wie vor einigen Monaten noch Ministerin Beatrix Karl oder Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl - eine Abkehr von diesem Dogma vorstellen kann, wird abgewatscht oder ignoriert.

Ohne Zustimmung der ÖVP ist eine Gesamtschule aber nun einmal nicht umsetzbar. Ob es ihren Befürwortern nun gefällt oder nicht.

Der SPÖ bleibt daher gar nichts anderes übrig, als die positiven Seiten des ÖVP-Papiers zu sehen. Ein flächendeckender Ausbau der Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen, wie ihn sich die ÖVP plötzlich vorstellen kann, bringt diesen vor allem mehr Geld. Davon profitieren auch die Hauptschulen in den Brennpunkten der bildungspolitischen Probleme.
Noch eine Entwicklung spricht dafür, dass die ÖVP offenbar zu schulpolitischen Reformen bereit ist: Fritz Neugebauer hat sich mit seinen beharrenden Aussagen selber ins Out geschossen. Und seine Parteifreunde bis hin zum Obmann Josef Pröll lassen ihn das auch öffentlich wissen.
Die SPÖ und Ministerin Claudia Schmied müssen die Gunst der Stunde jetzt aber nützen und eine Reformagenda anstoßen. Nur so können sie die ÖVP zwingen, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen.

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