"Kleine Zeitung" Kommentar: "Je billiger, desto besser?" (von Thomas Götz)

Ausgabe vom 09.01.2011

Graz (OTS) - Ein norddeutscher Futtermittelhersteller hat mit
dem Gift Dioxin verseuchte Fette, die bei der Herstellung von Biodiesel übrig blieben, als Nahrungsmittelfett verkauft. Rund 5000 deutsche Mastbetriebe sind betroffen. Der Schaden für die Landwirte ist noch nicht abzuschätzen, der für die Konsumenten wird wohl nie zu ermitteln sein.

Der laufende Lebensmittelskandal ist weder der erste, noch wird er der letzte sein. Zu erklären sind solche Vorgänge letztlich aus Gier, gepaart mit Skrupellosigkeit. Technische Fettsäure ist billiger als Nahrungsmittelfett. Das erhöht entweder die Gewinnspanne des Produzenten oder ermöglicht es ihm, Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen. Das Modell ist erprobt: Mit Glykol veredelte Wein billig zu kostbarer Spätlese. Durch Umetikettierung ließ sich noch aus fauligem Gammelfleisch Gewinn schlagen. Auf der Strecke blieb und bleibt das wichtigste Schmiermittel der Wirtschaft: das Vertrauen der Kunden.

Die heimische Landwirtschaft versucht, dem Trend zum immer Billigeren mit dem AMA-Gütesiegel entgegenzutreten. Hinter dem spröden Kürzel verbirgt sich ein System aus Kontrollen, denen sich die Produzenten freiwillig unterwerfen. Die Landwirte hoffen, so dem Preisdruck widerstehen zu können, den der Trend zur Massenproduktion auch auf den kleinteiligeren heimischen Markt ausübt.

Voraussetzung für den Erfolg dieser Abwehrstrategie ist aber, dass Konsumenten bereit sind, für Qualität zu zahlen. In Umfragen sind sie das immer. Vor der Tiefkühltruhe greift man dann doch gerne verstohlen zum preisreduzierten Produkt, egal, wo es herkommt, egal, unter welchen Bedingungen es hergestellt worden ist.

Letztlich machen wir uns also unsere Lebensmittelskandale selber. Wir haben uns angewöhnt, für Essen wenig zu zahlen und die Bauern dafür von Subventionen abhängig zu machen. Als Fortschritt galt, die Dinge zu verbilligen.

Das ging lange gut. Moderne Anbau- und Zuchtmethoden zogen ungeahnte Effizienzsteigerungen nach sich. Aber wie bei allem, so gibt es auch in der Landwirtschaft den Punkt, an dem jede Steigerung mit Einbußen an anderer Stelle verbunden ist. Der Punkt ist längst erreicht, wenn nicht überschritten. Jeder weitere Lebensmittelskandal bestätigt nur noch das Offensichtliche.

Wirklich ändern kann nur einer etwas: der Konsument. Wer Billigware verlangt, wird schäbiges Zeug bekommen. Der Dioxinskandal zeigt im Extrem die Folgen unserer Konsumgewohnheiten. Wenn die bleiben, wie sie sind, ist der nächste Skandal nur eine Frage der Zeit.****

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