Leitartikel der Tiroler Tageszeitung von MARIO ZENHÄUSERN "Vergiftete Stimmung im Tiroler Wald"

Ausgabe vom 8. Jänner 2011

Innsbruck (OTS) - Die Probleme in einzelnen Jagdrevieren müssen
von Förstern und Jägern gemeinsam gelöst werden.

Der Streit zwischen Jägern und Förstern hat in Tirol eine lange Tradition. Vor zwei Jahrzehnten lieferten sich die Spitzenvertreter beider Berufsgruppen heiße Duelle. Doch die Zeit schien die Wunden zu heilen - jene an den Bäumen ebenso wie jene im Verhältnis zwischen Waidmännern und Forstleuten.

Jetzt glauben Tirols Jäger plötzlich, in die Offensive gehen zu müssen. Weil sie sich durch die Forstleute in die Defensive gedrängt fühlen. Und weil sie überhaupt unzufrieden sind. Vor allem mit der Tatsache, dass sie den Rotwildbestand aufgrund - ihrer Meinung nach -falscher Bestandszahlen reduzieren sollen.

Ganz abgesehen davon, dass sie diese Zahlen ja selber liefern, lassen die Waidmänner dabei tunlichst außer Acht, dass die nun geforderte massive Reduktion nur deshalb notwendig ist, weil beim Wildbestand getrickst wurde. Während der überwiegende Teil der Tiroler Jägerschaft sich bei den Tierzählungen redlich bemühte, hat eine Handvoll regelmäßig falsche Angaben gemacht. Folge: Der Rotwildbestand in den betroffenen Revieren explodierte, die Schäden in den Wäldern und bei der Nutztierhaltung (Rinder-Tbc!) nahmen zu. Die Verantwortlichen im Jägerverband haben das jahrzehntelang toleriert. Jetzt müssen alle ausbaden, was einige wenige angerichtet haben.

Es ist eine Tatsache, dass es in Tirol einzelne Jagdreviere gibt, die Probleme bereiten. Diese Probleme können nur gemeinsam gelöst werden. Da hilft es wenig, sich hinter den eigenen Standpunkten einzumauern und die Fehler ausschließlich bei den anderen zu suchen. Schuldzuweisungen vergiften die Stimmung und sorgen auf lange Sicht lediglich dafür, dass Jäger und Förster sich im Wald wieder als Feinde gegenüberstehen. Davon hat niemand etwas.

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