WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Vorsicht vor der Öko-Falle - von Robert Lechner

Ohne globalen Gleichschritt ziehen Vorreiter den Kürzeren

Wien (OTS) - In wenigen wirtschaftlichen Bereichen sind Schulterklopfer für Österreich so angebracht wie im Bereich der Umwelttechnologie. Seit der Sektor Mitte der 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts in Mode kam, konnten die heimischen Betriebe ihre Leistungen auf mehr als sechs Milliarden Euro vervierfachen. Das entspricht immerhin gut zwei Prozentpunkten der gesamtstaatlichen Wirtschaftsleistung und liegt leicht über dem Durchschnitt in der Europäischen Union. Österreich darf sich gemäß Wifo-Daten zudem rühmen, fast 200.000 sogenannte Green Jobs geschaffen zu haben. Womit auch den Skeptikern von zuviel Öko im Business - Stichwort Betoniererfraktion - die Argumente abhanden gekommen sind.

Global betrachtet muss Europa und vor allem auch Österreich aber aufpassen, nicht zum grünen Hinterhof der neuen Industriegiganten zu verkommen. Dieser Trend scheint sich nämlich nicht zuletzt aufgrund von Regelungen wie dem Emissionshandel zu verstärken. Das Öko-Regime hat zwar den Vorteil, der Umweltverschmutzung einen Preis zu geben. Aber eben leider nur innerhalb der Europäischen Union. Solange Länder wie die USA oder das industriell aufstrebende China nicht mitmachen, hat der innereuropäische CO2-Handel immer einen schalen Beigeschmack. Ist es nicht vielleicht doch so, dass jede in Europa eingesparte Tonne an Kohlendioxid anderswo in die Luft geblasen wird? In der Kalkindustrie ist aus diesen Befürchtungen bereits Realität geworden. Der Sektor verlagert sich zunehmen an den Rand Europas, etwa nach Russland. Und auch Nordafrika ist trotz aller Unsicherheiten plötzlich ein gern gesehener Standort für die eine oder andere Kalkbrennerei. Ganz konkrete Spuren hat der Emissionshandel in der Obersteiermark hinterlassen. Am Erzberg wurde eine Investition in eine neue Anlage kurzerhand gestrichen, weil sie inklusive Kosten für CO2-Zertifikate niemals rentabel geworden wäre. Die entgangenen Investitionen von 200 Millionen Euro sind global betrachtet ein Klacks, für die Region jedoch ein schwerer Rückschlag.

Insofern ist Augenmaß gefragt, wenn es darum geht, den ökologischen Vorreiter zu geben. Die dutzenden neuen Consulting-Unternehmen, die im Rahmen des CO2-Handels entstanden sind, können solide Industriejobs auf Dauer kaum ersetzen.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001