Rotes Kreuz: Wo sind die Alternativen?

Fällt die Wehrpflicht, fällt der Zivildienst. Arbeitet die Politik an umsetzbaren Alternativen?

Wien (OTS/ÖRK) - 2010 hat sich jeder dritte taugliche Stellungspflichtige für den Zivildienst entschieden. Die Gesamtzahl der Zivildienstleistenden hat sich in den vergangenen zehn Jahren von 6.300 auf 13.100 mehr als verdoppelt.
"Ganz offensichtlich ist es für junge Männer attraktiv, sich sozial zu engagieren - wichtig für die Zivilgesellschaft ist es allemal", stellt Rotkreuz-Präsident Fredy Mayer fest. "Die überwiegende Mehrheit der Zivildiener ist mit großem Engagement und mit großem Einfühlungsvermögen bei der Sache. Aus vielen Gesprächen mit diesen Mitarbeitern weiß ich, dass sie ihre Tätigkeit als sinnstiftend und persönlichkeitsfördernd erleben." Mit rund 4.000 Zivildienern ist das Österreichische Rote Kreuz die größte Trägerorganisation.
"Als humanitäre Organisation mischen wir uns nicht in politische Entscheidungen ein, wie unser Staat die Landesverteidigung sicherstellt", so Mayer. "Geht es jedoch um die Sicherstellung unseres Gesundheits- und Sozialsystems, darf sich das Rote Kreuz nicht nur einmischen, es muss sich sogar zu Wort melden." Der Zivildienst ist zu einer tragenden Säule unseres Sozialsystems geworden. "Dieses Faktum gerät in der Diskussion rund um die Abschaffung der Wehrpflicht ins Hintertreffen", ist Mayer besorgt. "Wann präsentiert die Politik praktikable Alternativen?"

Vier Szenarien böten sich für eine Ära ohne Zivildienst an.

  • Ersatz durch hauptberufliche Arbeitskräfte. Das würde das Sozialsystem erheblich verteuern.
  • Ersatz durch Freiwillige. Dazu müsste freiwilliges Engagement massiv attraktiviert werden (z.B. durch steuerliche Absetzbarkeit dieser Zeitspende). Selbst dann wäre es nicht gesichert, die 13.100 Zivildiener ersetzen zu können.
  • Verpflichtender Sozialdienst. Ist rechtlich nicht unumstritten.

"Das Österreichische Rote Kreuz ist gerne bereit, den Entscheidungsträgern mit seiner Expertise zur Seite zu stehen und -ohne Denkverbote - unterschiedliche Modelle zu diskutieren", sagt Mayer. "Denn werden nicht rechtzeitig Alternativen entwickelt, stehen wir vor Szenario vier: dem ersatzlosen Auslaufen des Zivildienstes. Ein solch radikaler Einschnitt in unser Gesundheits- und Sozialsystem kann nicht im Interesse der Menschen in unserem Land sein."

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