CARE: Haitis Wiederaufbau braucht Geduld und Beharrlichkeit

Neben gewaltiger materiellen Herausforderungen sind Hindernisse bei Landrechten, Arbeitslosigkeit und Zugang zu Bildung zu überwinden.

Port-au-Prince/Wien (OTS) - Als die Erde am 12. Jänner 2010 bebte, folgte eine in der Geschichte Haitis beispiellose humanitäre Katastrophe. Das Erdbeben traf den Karibikstaat ins Herz, mehr als 220.000 Menschen verloren ihr Leben, 188.000 Gebäude wurden zerstört.

Die humanitäre Hilfe von CARE und anderen Hilfsorganisationen setzte trotz beschädigten Hafens, zerstörter Straßen, Regierungsbüros und Ministerien sofort ein. In den ersten drei Monaten versorgte CARE mehr als 290.000 Menschen mit Hilfsgütern wie Trinkwasser, Zelten, Matratzen, Decken, Geburtshilfe-Kits, Küchenutensilien, Hygiene-Kits und Nahrungsmittel.

Ein Jahr später leiden die Menschen in Haiti immer noch große Not. Oft übersehen wird auch die Notwendigkeit einer sinnvollen Beteiligung der HaitianerInnen am Wiederaufbau ihres Landes. Die MitarbeiterInnen von CARE, zu 95 Prozent selbst aus Haiti, sind davon überzeugt, dass es notwendig ist, allen Mitgliedern der Gemeinschaft eine Stimme im Wiederaufbauprozess zu geben und dafür zu sorgen, dass besonders auch die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen Gehör finden.

"Wir sollten nicht vergessen, dass die ersten, die nach dem Erdbeben geholfen haben, die HaitianerInnen selbst waren:
Familienmitglieder, Nachbarn und andere Bürger begannen sofort nach dem Erdbeben, in den Trümmern nach Überlebenden zu graben, Verletzte in die Spitäler zu bringen und obdachlos gewordenen Unterkunft zu geben", erinnert Andrea Wagner-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. "Dieses Engagement, das Wissen und die Energie sind die Grundlage für eine bessere Zukunft in Haiti. CARE nützt diese Stärken, indem wir mit Freiwilligen aus den Gemeinden und lokalen Partnerorganisationen zusammenarbeiten, um nachhaltigen Wandel in Haiti zu etablieren", so Wagner-Hager.

Dieser Zugang spiegelt sich in allen Interventionen von CARE wider. In schwer getroffenen Gebieten, in denen CARE bisher fast 1.000 Häuser - sog. 'Transitional Shelter' - gebaut hat, haben die Bewohner geholfen, jene Gemeindemitglieder zu identifizieren, die am dringendsten eine Unterkunft brauchen. Familienmitglieder haben dann beim Bau der Häuser geholfen und dabei gelernt, wie die Holz-Fachwerkskonstruktionen nach und nach zu einer dauerhaften Unterkunft ausgebaut werden können.

"Mit einer Analphabetenrate von 38 Prozent der erwachsenen Bevölkerung und geschätzten 80 Prozent Arbeitslosigkeit schon vor dem Beben ist der Wiederaufbau Haitis aber nicht nur eine gewaltige physische Anstrengung. Hindernisse auf dem Weg zu einem neuen Haiti sind weiterhin ungeklärte Landrechte, Mangel an Arbeitsplätzen und wirtschaftlichen Möglichkeiten sowie beschränkter Zugang zu Bildung", erklärt Wagner-Hager, die sich selbst vor Ort von den Verhältnissen überzeugen konnte.

Um diese Hindernisse unter Einbindung der Bevölkerung zu überwinden brauche es Geduld und Beharrlichkeit. Dem Erdbeben folgte eine dramatische Hurrikanesaison und zuletzt eine Cholera-Epidemie, die Haiti einmal mehr in ein Notstandsgebiet verwandelt hat.

Wagner-Hager: "Wir müssen realistisch sein bei der Bewertung, was in einem Jahr seit dem Erdbeben in Haiti gelungen ist. Der Wiederaufbau Haitis und die Bestrebungen, es für die Zukunft nachhaltig zu stärken, wird Jahre dauern und erfordert anhaltendes Engagement sowie Ausdauer. Aber das sollte weder Hilfsorganisationen noch Regierung oder Zivilgesellschaft davon abhalten, alles zu versuchen, den Wiederaufbau schneller voranzutreiben als bisher."

CARE wird auch 2011 Familien mit dem Bau von 'Transitional Shelters' unterstützen und jene Menschen, die weiterhin in Camps leben, mit Trinkwasser und sanitären Einrichtungen versorgen. Familien, die in ihre Gemeinden zurückkehren wollen, wird CARE dabei unterstützen, ihre Umgebung wieder aufzubauen und die Grundlage für ein neues Leben zu schaffen. CARE wird Schulen mit Möbeln und Unterrrichtsmitteln versorgen, gemeinsam mit lokalen medizinischen Einrichtungen die Gesundheitsversorgung verbessern und sich auch weiterhin in der Cholera-Prävention engagieren.

"CARE Österreich hat bisher 1,7 Mio. Euro für Nothilfe, Wiederaufbau und Cholera-Prävention in Haiti zur Verfügung gestellt, mehr als eine halbe Million davon stammt von privaten SpenderInnen", so Wagner-Hager abschließend.

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Thomas Hohenberger, Pressereferent, 0676-837151715, thomas.hohenberger@care.at

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