Kein letzter Fluchtweg für Arbeitslose

Mit dem Abschied von der Wehrpflicht müssen bei der Armee überfällige Entscheidungen fallen.

Innsbruck (OTS/Wolfgang Sablatnig) - Verteidigungsminister Norbert Darabos nahm im TT-Interview für sich in Anspruch, an die Entscheidung über Wehrpflicht oder Berufsheer besser vorbereitet heranzugehen als andere Minister an ihre Zukunftsfragen. Den Punkt wird er - nicht zuletzt angesichts des Zustands der Bundesregierung -locker machen. Auch das Ergebnis ist schon klar, lässt der offiziell neutrale Minister doch kaum mehr einen Zweifel daran, dass er dem Schwenk seiner Partei zu einem "Freiwilligenheer"- klingt besser als "Berufsheer", meint aber praktisch dasselbe - schon gefolgt ist. Spielentscheidend wird aber weniger die Vorbereitung als die Umsetzung sein. Das Bundesheer hat seit seiner Gründung darunter gelitten, dass die finanzielle, materielle und personelle Ausstattung nie mit den Vorgaben Schritt gehalten hat.
Daran ist letztlich auch die Bundesheerreform gescheitert, die der nunmehrige Landeshauptmann Günther Platter eingeleitet hat. Dass die rot-weiß-roten Soldaten im Ausland eine überaus gute Figur machen, ändert nichts am teils miserablen Zustand der Truppe in Österreich selbst. Nur mit Einschnitten bei Übungen, Überstunden und Flugstunden kommt die Armee finanziell noch über die Runden.
Mit dem Abschied von der Wehrpflicht müssen die überfälligen Grundsatzentscheidungen aber fallen und das Verhältnis von Aufgaben, Größe und Ressourcen in ein Gleichgewicht gebracht werden. Denn zwangsverpflichtete junge Männer, die dazu beitragen, den Schein zu wahren, wird es dann nicht mehr geben.
Wer künftig Freiwillige - ob für Heer oder Sozialdienst - anlocken will, muss akzeptable Gehälter zahlen. Und er muss eine herausfordernde, spannende Aufgabe sowie Perspektiven für eine berufliche Zukunft jenseits der Uniform bieten, damit die Armee mehr bleibt als der letzte Fluchtweg vor der Arbeitslosigkeit.

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