"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Erst denken, dann sparen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 06.01.2011

Wien (OTS) - Vor einem Jahr wollten sich die Börsepropheten nicht so recht festlegen: Zu unsicher schienen die Konjunkturaussichten, zu widersprüchlich die Prognosen der Wirtschaftsexperten.

Inzwischen wissen wir es besser: Die Weltwirtschaft hat sich viel rascher erholt als selbst Optimisten erwartet hatten. Und die Aktienbörsen haben gleichfalls geboomt. Für heuer sind die meisten Analysten optimistisch. Zum Teil ist das auch Eigennutz: Banken und Börsen verdienen gut an den Kauf- (und Verkaufs-!)Aufträgen ihrer Kunden.

Wie großzügig teilweise argumentiert wird, zeigt eine Aussendung der Wiener Börse: Der ATX wird seit 20 Jahren berechnet. Wer 2001 tausend Euro in den ATX investiert hat, konnte sich Ende 2010 über ein Vermögen von 2904,47 Euro freuen. Die Aktie sei daher "langfristig ein sehr attraktives Anlageinstrument".

Das stimmt grundsätzlich. Eine Zinseszinsrechnung zeigt zwar, dass der durchschnittliche Jahresgewinn in diesem Zeitraum mit 5,48 Prozent nicht überwältigend hoch ausgefallen ist. Hätte der Anleger aber zwei Jahre vorher verkaufen wollen, um ein Eigenheim oder ein Auto zu finanzieren, wären nur 412 Euro Gewinn oder 1,94 Prozent pro Jahr geblieben.

Derzeit ist zu befürchten, dass die jüngsten Kurssteigerungen viele Anleger zum (späten) Einstieg verleiten. Auch das kann durchaus ein Geschäft werden. Die letzten drei Jahre haben aber allzu deutlich gezeigt, dass die Veranlagung in Aktien nur dann Gewinn verspricht, wenn Kauf und Verkauf zum möglichst optimalen Zeitpunkt erfolgen.

Wer Zeit und gute Nerven hat, ist mit Aktien gut bedient - aus Risikosicht vermutlich sogar besser als mit Staatsanleihen, die bis zur Griechenlandpleite als Inbegriff der Sicherheit gegolten haben. Nur allzu oft wird aber über den Kauf eines Tennisschlägers oder eines Autos länger nachgedacht als über die passenden Instrumente zur Geldanlage oder zur Finanzierung eines Eigenheims.

Das geringe Wisssensniveau und das Profitstreben vieler Finanzberater tragen das ihre dazu bei, dass Fehlentscheidungen und unnötige Vermögensverluste bei Veranlagungen wie auch bei Krediten -Stichwort: Frankenkredite und Tilgungsträger - leider weiter eher die Regel als die Ausnahme bleiben werden.

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