WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Aktien-KESt wird uns noch lange beschäftigen - von Andre Exner

Als Nächstes wird vielleicht die Zukunftsvorsorge betroffen sein

Wien (OTS) - Österreicher sind offenbar auch an der Börse für Gemütlichkeit: Wie das WirtschaftsBlatt herausfand, haben nur wenige Privatanleger die Wertpapier-KESt zum Anlass genommen, sich getreu dem Motto "am 32. Dezember ist es zu spät" mit Blue Chips einzudecken. Keine Zeichen von Torschlusspanik. Nur bei steuerlich ohnehin anders gestellten, betuchten Anlegern waren viele Vorziehkäufe zu beobachten.

Das heißt aber nicht, dass die Aktien-KESt heimische Privatanleger nicht stören würde. Vielmehr stehen die Börsen derzeit auf dermaßen instabilen Beinen, dass sich eben nur Vorziehkäufe gelohnt haben -wer im Jänner oder Februar sowieso größere Beträge in Aktien investieren wollte, konnte das jetzt noch steuerbegünstigt tun. Wer von einer Eskalation der Staatsschulden-Thematik ausgeht und hinter der derzeit noch freundlichen Maske der Weltbörsen eine hässliche Fratze vermutet, investiert eben auch dann nicht, wenn der Finanzminister die Steuerkeule schwingt. Denn was nützt die Steuerersparnis beim Verkauf in der Zukunft, wenn ich am Depot in der Gegenwart unter Wasser bin?

Zum Glück war die Fondsbranche besonnen und hat Aktieninvestments vor dem Jahreswechsel bei den Privaten nicht offensiv beworben: Kunden, die dem Ruf der Berater folgend Aktien im Dezember kaufen und dann im Jänner dicke Kursverluste verschmerzen, weil die Börsen talwärts fahren, wären ja zu Recht verärgerte Kunden.

Doch während sich die heimischen Aktionäre und Marktteilnehmer in Sachen Aktien-KESt zu Recht ruhig verhalten haben, seien sie gewarnt:
Das war noch nicht alles. Nie im Leben sind die für 2011 geplanten 30 Millionen Euro fürs Budget Grund genug, Fondsriesen und Private zu verärgern. Schon politisch nicht: In Österreich liegt die Aktionärsquote bei rund sieben Prozent, also trifft die Abschaffung der Steuerfreiheit auf Aktienerträge nach einem Jahr Behaltefrist jeden 14. Wähler dort, wo es am meisten weh tut - im Geldbörsel. Und wirtschaftlich ist die Wertpapier-KESt erst recht sinnlos, mit 30 Millionen Euro wird man nicht einmal das Budget von Albanien sanieren.

Nein, die Aktien-KESt könnte diesmal nur ein Testlauf sein - und droht, in weiterer Folge erhöht oder auf andere aktienbasierte Finanzprodukte wie Zukunftsvorsorge, betriebliche Vorsorge oder Versicherungslösungen ausgedeht zu werden. So etwas könnte hinter den Kulissen zumindest schon angedacht sein. Der Finanzminister sieht die Einnahmen aus der neuen Steuer bis 2014 von 30 auf 250 Millionen Euro ansteigen.

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