Schönborn: Kirche mußte sich 2010 der Wahrheit stellen

Kardinal zog Bilanz über Missbrauchskrise und Regierungsarbeit

Wien, 22.12.10 (KAP) Es war ein "schreckliches" Jahr und gleichzeitig ein "Jahr der Gnade - vielleicht gerade auch durch das Schwere, durch das die Kirche in unserem Land durchgegangen ist":
Diese Jahresbilanz zog Kardinal Christoph Schönborn - vor allem im Hinblick auf das Thema Missbrauch - im Interview mit "Kathpress". "Der entscheidende Weg, sich der Wahrheit zu stellen, war eine schmerzliche Herausforderung, aber es war auch in gewisser Weise eine Gnade, dass Menschen sich zu sprechen getraut haben", so Schönborn wörtlich. Viele Menschen, die seit Jahrzehnten schwere Verwundungen mit sich trugen, hätten so Heilung gefunden.

Für die Kirche sei die Konfrontation mit dem Missbrauch in den eigenen Reihen beschämend und schmerzlich gewesen; zugleich sei man aber entschieden an die "Hausaufgaben" herangegangen. Die von ihm eingesetzte Klasnic-Kommission sowie die Ombudsstellen der Diözesen würden gut arbeiten, so der Kardinal, freiwillige Schadenersatzleistungen würden bezahlt. Die Kirche habe dadurch an Autorität gewonnen. Das Thema Missbrauch sei für die Kirche letztlich aber nicht abgeschlossen, "weil die Geschichte von Menschen nie abgeschlossen ist".

Schönborn bekräftigte im "Kathpress"-Interview auch seine Feststellung, dass es mehr Wahrhaftigkeit in allen Bereichen der Gesellschaft brauche. Mit Blick auf die kirchliche Kritik am Sparpaket der heimischen Regierung erklärte Schönborn, dass es in Krisenzeiten das beste Rezept sei, "sich den Dingen zu stellen, ihnen nicht auszuweichen". Nur wenn man sich der Realität stelle, "kann man richtige Wege finden - auch wenn sie schmerzlich sind", so Schönborn. Und konkret: "Wenn auf der einen Seite Milliarden fließen müssen, um Banken zu retten, und auf der anderen Seite das Geld für Bildung und Familienleistungen nicht da ist oder deutlich reduziert werden muss, stellt sich schon die Frage nach der Verhältnismäßigkeit."

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